Mi. Sep 18th, 2019

Matzes Dampfer Ecke ♥

Bunt gemixter Blog zum dampfen und zu anderen Themen.

FAKE-News

8 min read

Welt.de zeigt uns, wie man es macht, also wie man Fake News in die Welt setzt. In einem reißerischen Videobeitrag wird folgender Inhalt “journalistisch wertvoll” transportiert:

In den USA wurden zuletzt mehrere Jugendliche mit schweren Lungenschäden – bis hin zum Kollaps – in Krankenhäuser eingeliefert. Ärzte und Behörden machen die elektronischen Glimmstängel dafür verantwortlich.

Für alle die quälende Neugier plagt oder die den denkbar schlechtesten Journalismus sehen müssen, hier die Quelle. Im Prinzip ist ja eigentlich nichts Neues passiert, also nichts was man nicht schon das eine oder andere mal (jedenfalls zu oft) von obiger Redaktion geliefert bekommen hat. Unreflektierte Nachgeplapperte “News”und alle wissenschaftlich geltenden Standards ignorierende Beiträge zur E-Zigarette. Man kann sich des Eindruckes nicht erwehren ein oder mehrere verantwortliche Redakteure befinden sich auf einem ganz privaten Feldzug gegen die Dampfe und lancieren aus diesem Grund Fake News oder maßlos übertriebene Beiträge zum Thema. Mit Aufklärung im journalistischen Wortsinn hat das jedenfalls nichts zu tun.

(Wer sich das ganze Thema als Video geben will, schaut mal bei Roman vorbei, der hat das nämlich  in seinem Frühstücksstream auch auf dem Tableau gehabt.)

Erster Fehler

Wie leider allzu oft wird auch in diesem Beitrag ohne Quellenangaben gearbeitet. Da aber anzunehmen ist das keiner der hochrangigen Welt.de Autoren vor Ort war, ist es doch das mindeste wenigstens “grob” in die Richtung zu weisen aus der die “erschütternden” News kommen. Na egal, die Arbeit kann ihnen ja abgenommen werden. Der erste Fehler allerdings ist ein anderer. Der “Autor” war augenscheinlich nicht mal in der Lage den Namen des betroffenen Jugendlichen korrekt zu recherchieren.

Dylan Nelson und nicht Dylan Degrave.

Da der Redakteur aber bereits in der Kommentarsektion (mal sehen, wann die geschlossen wird) ausreichend darauf hingewiesen wird, will ich nicht länger darauf “rum Reiten”. Es ist aber ein Beleg dafür wie “qualitativer Journalismus” funktioniert.

Zweiter Fehler

Quellenrecherche komplett vergessen? (Oder einfach keinen Bock gehabt?) Geht man der Meldung nach landet man schließlich bei der Originalquelle, einem Artikel der NBC-News. Wenn man den ungeheuren Stress auf sich genommen hätte, um seinen Beruf vernünftig auszuüben, wäre man bereits in der Einleitung auf folgenden Satz gestoßen:

22 people have been hospitalized with vaping-linked breathing problems. Doctors don’t know why. It’s unclear exactly what the patients — many of whom are young adults — had been inhaling or what type of devices they were using.

22 Menschen wurden mit Vape-basierten Atembeschwerden ins  Krankenhaus eingeliefert. Ärzte wissen nicht warum. Es ist nicht klar, was die Patienten – von denen viele junge Erwachsene sind – inhaliert haben oder welche Art von Geräten sie verwendet haben.

Das liest sich dann schon ganz anders. 22 Personen wurden mit Atembeschwerden in ein Krankenhaus eingeliefert. Offensichtlich hatten diese Personen vorher eine E-Zigarette benutzt. Punkt. Mehr weiß man nicht. Mehr wird auch nicht behauptet. Es wird lediglich ein leichter Bezug zur möglichen Ursache hergestellt, nämlich “… nicht klar was die Patienten… inhaliert haben …” Die Aussage der Ärzte macht nicht die E-Zigarette per se verantwortlich, was bei der Faktenlage im übrigen auch unverantwortlich wäre, sondern grenzt die einzige mögliche Ursache näher ein, den Stoff der inhaliert wurde.

Dritter Fehler

Die Hintergrundgeschichte von Dylan Nelson wird komplett außen vor gelassen. Oder besser gesagt es findet keine seriöse Bewertung derselben statt. Dylan Nelson dampft nach eigener Aussage seit mehreren Jahren. Der plötzliche Verlauf der Erkrankung lässt bei sachlicher Betrachtung nur den Schluss zu, das ein im Pod vorhandener Zusatz die Erkrankung verursacht hat. Jedenfalls würde jeder ernst zu nehmende Mediziner als Erstes diesen Ansatz verfolgen.

Vierter Fehler

Fehlende seriöse medizinische Bewertung. Liest man den Beitrag genauer, wird relativ schnell klar, dass es sich bei dem schlimmsten genannten Fall (dem von Dylan) augenscheinlich um ein Lungenödem handelt. ZITAT”…By nightfall, his lungs were filling with fluid and doctors had to put him into a medically induced coma…”

Nun kann ein Lungenödem derartig viele Ursachen haben, zum Beispiel Herzinfarkt, Herzentzündung, Herzrhythmusstörung oder Herzklappenschäden. Desweiteren stark erhöhter Blutdruck, Schädigung von Lungenkapillaren und Alveolen und so weiter, das ein Rückschluss vom Ödem auf die E-Zigarette mehr als unseriös ist. Das hat im übrigen auch keiner der Ärzte in dem Artikel getan, anders als es Welt.de im Video behauptet. Im übrigen befindet sich Dylan auf dem Weg der Besserung und wurde so weit es der Artikel berichtet bereits aus dem Krankenhaus entlassen.

Fünfter Fehler

Betrachtung aller Fälle als Ganzes. Schaut man sich die 22 Fälle genauer an, kommt man selbst als “Copy und Paste Äffchen” schnell auf die wahrscheinlichste Ursache des Desasters. Die Jungs und Mädels, um die es geht, haben sich mit Hilfe ihrer E-Zigarette offensichtlich Stoffe einverleibt die normalerweise nicht in Liquids oder respektive fertig befüllten Pods vorkommen. Dafür spricht das DeGrave (da haben wir wieder den falschen Namen von Fehler 1, es handelt sich hier um den Bruder von Dylan) folgendes aussagte:

Nelson bought his vape cartridge off the street, not from a reputable shop.

Nelson kaufte seinen Vape-Pod auf der Straße, nicht in einem seriösen Laden.

Des Weiteren sagten einige Patienten :

sie hätten E-Zigaretten-Geräte verwendet, um sowohl Nikotin als auch THC …. zu inhalieren

Schaut man sich jetzt noch die räumliche Verteilung der auftretenden Fälle etwas genauer an:

Vier in Minnesota, 12 in Wisconsin und 6 in Illinois.

muss man nicht Sherlock heißen um den naheliegendsten Schluss zu ziehen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wurden hier Pods mit THC in Umlauf gebracht die entweder ein Streckmittel oder andere Zusätze enthielten die zu den genannten Symptomen geführt haben. Entgegen der reißerischen Darstellung handelte es sich zumeist um Beschwerden ähnlich einer Lungenentzündung. Auch wenn es nach dem Video von Welt.de so scheint, sind hier keineswegs 22 Personen mit kollabierter Lunge behandelt worden. Also eher ein Problem für die Drogenfahndung denn Tummelplatz für die Dampfgegner!

Fazit zu den Fake News

Ein Beispiel dafür wie ein guter Journalist es nicht machen sollte. Denn das, was dort geliefert wurde, sind tatsächlich Fake News.  Obwohl sich die ganze Geschichte bei genauer Betrachtung als “Windei” darstellt, wird sie den Dampfern noch lange anhängen. Leider gibt es momentan diese “Fackel und Forken-Mentalität” die sich um´s verrecken nicht ausrotten lässt…… Außerdem sollte man auch das Verhältnis im Auge behalten. Legen wir das gleiche Beispiel mal auf Rotwein um. Es bleibt zu bezweifeln das bei Millionen Rotwein-Trinkern in der Welt bei 22 Verdachtsfällen der Unverträglichkeit auf einen der Inhaltsstoffe mehrere Staatsanwälte dümmlich in die Kamera grinsen würden, um dem Rotwein den Kampf anzusagen…. Schöne neue Welt!

Österreichs “Krone”

Ja die setzen dem ganzen tatsächlich die Krone auf. Gut die nimmt eh keiner ernst….Fake News Profis sozusagen. Viele der “Fälle” müssen künstlich beatmet werden. Also liebe Autoren von Welt.de. Schlimmer geht immer, wenn ihr es “besser” machen wollt, schreibt doch bei der Krone ab….

🙂 bis die Tage

P.S.: Wie zu erwarten sind etliche der “üblichen Verdächtigen” auf den Zug aufgesprungen und haben sich ungefiltert (“Copy & Paste Äffchen-mäßig”) dieses gequirlten Mistes bedient und haben nachgezogen. Als da wären Spiegel, Stern sowie das “Informationsportal” T-Online. (Zusatz vom 19.08.)

 

 


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