Neue Fakten zur “mysteriösen” Lungenerkrankung aus den USA

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Die Washington Post veröffentlichte gestern einen Artikel, in dem die Ursache bzw. neue Fakten zur “mysteriösen” Lungenkrankheit konkret benannt wurden. Es handelt sich, wie vermutet um einen Stoff der den illegal vertriebenen Produkten beigemischt wurde. Tocopherylacetat/Vitamin E-Acetat.

New York State Department of Health

Die Chemikalie ist ein Vitamin E-Derivat/Öl. Forscher der US-amerikanischen Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde haben festgestellt, dass das Öl in Cannabisprodukten in Proben von Patienten enthalten ist, die in den USA erkrankt sind. (Washington Post)

Dieselbe Chemikalie wurde auch in fast allen Cannabisproben von Patienten gefunden, die in den letzten Wochen in New York erkrankt waren, teilte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums mit. (Washington Post)

Seine ölartigen Eigenschaften könnten mit den Symptomen der Atemwege in Verbindung gebracht werden, über die viele Patienten berichtet haben: Husten, Atemnot und Brustschmerzen, so die Behörden. (Washington Post)

Nun können ja Zeitungen erstmal schreiben, was sie wollen, das kennen wir aus leidvoller Erfahrung. In diesem Fall gibt es aber eine dazugehörige offizielle Verlautbarung des New York State Department of Health, die im Detail folgendes aussagt:

ALBANY, NY (5. September 2019) – Das New Yorker Gesundheitsministerium gab heute neue Ergebnisse seiner laufenden Untersuchung der vaping-assoziierten Lungenerkrankungen bekannt, die landesweit gemeldet wurden, einschließlich einer aktualisierten Fallzahl und Informationen zu den Tests, die im Wadsworth Center Laboratory der Abteilung durchgeführt werden.

“Die Fälle von Lungenerkrankungen im Zusammenhang mit Vaping nehmen im gesamten Bundesstaat New York und im ganzen Land weiter zu”, sagte Gesundheitskommissar Dr. Howard Zucker. “Wir fordern die Öffentlichkeit dringend auf, wachsam gegenüber jeglichen Produkten zu sein, die sie oder ihre Familienangehörigen verwenden, und sich unverzüglich an ihren Arzt zu wenden, wenn sie ungewöhnliche Symptome entwickeln. Im Allgemeinen ist das Verdampfen unbekannter Substanzen gefährlich, und wir tun dies auch weiterhin alle Möglichkeiten zur Bekämpfung dieses Problems der öffentlichen Gesundheit prüfen. “

Die Abteilung gab im August eine Gesundheitsempfehlung heraus, in der die Leistungserbringer auf diese aufkommende Gesundheitsbedrohung hingewiesen und die Symptome aufgelistet wurden, nach denen sie bei Patienten suchen sollten. Bis zum 5. September 2019 erhielt die Abteilung 34 Berichte von Ärzten des Staates New York mit schwerer Lungenerkrankung bei Patienten im Alter von 15 bis 46 Jahren, die vor ihrer Erkrankung mindestens ein Cannabis-haltiges Vape-Produkt verwendeten. Alle Patienten gaben jedoch an, kürzlich verschiedene Vape-Produkte verwendet zu haben.

Die Ergebnisse der Labortests zeigten in nahezu allen Cannabis-haltigen Proben, die im Rahmen dieser Untersuchung vom Wadsworth Centre analysiert wurden, sehr hohe Vitamin-E-Acetat-Gehalte. Mit jedem Patienten, der ein Produkt zum Testen eingereicht hat, wurde mindestens ein Vitamin-E-Acetat-haltiges Vape-Produkt verknüpft. Vitamin E-Acetat ist kein zugelassener Zusatzstoff für vom New York State Medical Marihuana Program zugelassene Vape-Produkte und wurde in den getesteten Produkten auf Nikotinbasis nicht nachgewiesen.

Infolgedessen ist Vitamin E-Acetat ein zentraler Punkt in der Untersuchung möglicher Ursachen von dampfassoziierten Lungenerkrankungen. Vitamin E-Acetat ist ein allgemein erhältliches Nahrungsergänzungsmittel, von dem nicht bekannt ist, dass es schädlich ist, wenn es als Vitaminzusatz eingenommen oder auf die Haut aufgetragen wird. Die Abteilung untersucht jedoch weiterhin die gesundheitlichen Auswirkungen beim Einatmen, da die ölartigen Eigenschaften mit den beobachteten Symptomen in Verbindung gebracht werden können.

Das Wadsworth Centre testet im Rahmen dieser Untersuchung sowohl Cannabis- als auch Nikotin-haltige Vape-Produkte und weiterhin die Reinheit der in New York zugelassenen medizinischen Marihuana-Produkte. Mehr als ein Dutzend Produktproben, in einigen Fällen mehrere Proben eines einzelnen Produkts, von Patienten, die Symptome melden, wurden getestet. Diese Proben wurden auf eine Reihe von Substanzen getestet, darunter THC und andere Cannabis-abgeleitete Cannabinoide, Nikotin, synthetische Cannabinoide, Opioide und Pestizide. Zu den getesteten Produkten gehören eine Vielzahl von Etiketten und Verpackungen. Viele stehen im Verdacht, Fälschungen von Cannabis-haltigen Freizeit-Vape-Produkten zu sein, die in anderen Bundesstaaten erhältlich sind.

Hier sind Bilder einiger Produkte zu sehen, bei denen festgestellt wurde, dass sie Vitamin E-Acetat enthalten.

 

Wer Vape-Produkte verwendet, sollte niemals ungeregelte Produkte verwenden, die auf der Straße gekauft wurden. Cannabis-haltige Produkte sind im Bundesstaat New York nicht legal für den Freizeitgebrauch erhältlich. Diese nicht regulierten Produkte sind nicht geprüft und können schädliche Substanzen enthalten. Benutzer von Vape-Produkten sollten niemals Vape-Produkte modifizieren oder Substanzen zu diesen Produkten hinzufügen, die nicht vom Hersteller vorgesehen sind.


 

Jetzt stellt sich nur noch die Frage, ob Vitamin E-Acetat oder Tocopherylacetat geeignet ist solche Symptome hervorzurufen und warum es beigemengt wurde. Vitamin-E-Acetat ist ein synthetisches Vitamin-E-Derivat. Im Körper wird es zu Vitamin E umgewandelt und zählt damit zu den Provitaminen. Es ist praktisch nicht wasserlöslich. Verwendung findet es hauptsächlich bei der Herstellung von Medikamenten und Kosmetik, aber auch als Futterzusatz und in Lebensmitteln. Es unterliegt keiner besonderen Kennzeichnungspflicht. Also scheint es relativ harmlos zu sein?

Das Problem liegt eher darin begründet, dass es sich um ein Öl handelt. So kann es beim Einatmen von fetten Ölen (flüssig bei Zimmertemperatur) zu einer sogenannten Lipidpneumonie kommen, die äußert sich durch unspezifische Symptome wie Husten und Atembeschwerden. Bei längerer oder dauerhafter Nutzung ölhaltiger Substanzen in Verdampfern kann es zu einer Superinfektion oder zu einem Bronchialkarzinom kommen. Für alle die sich in Deutschland Gedanken machen der Zusatz solcher Stoffe zu Liquids ist generell verboten. Warum ist das Zeug in den Staaten überhaupt in den illegalen Produkten gefunden worden. Die Frage ist relativ einfach zu beantworten. Das Zeug wirkt als Antioxidans, sorgt also dafür das dieses gepanschte THC Gelumpe umgangssprachlich nicht ranzig wird.

Ob Vitamin E-Acetat tatsächlich die einzige Ursache für das Desaster in den Staaten ist, bleibt abzuwarten. Die bereits nachgewiesenen anderen Inhaltsstoffe in den illegalen Gemischen werden auch einen Anteil daran haben. Aber zumindest ist es eine offizielle Verlautbarung die belegt das es tatsächlich nicht um die Dampfe geht. Damit wäre sie ja theoretisch mal aus der Schusslinie, allerdings fehlt es mir da an Vertrauen  zu unserer Presse und deren “Selbstreflexion”.

 

🙂 Bis die Tage


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