Dampfen und Steuer

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Dampfen und Steuer

Erstmals gibt es eine Studie (vom NATIONAL BUREAU OF ECONOMIC RESEARCH aus Massachusetts vom Dezember 2019) die sich auf die Wechselwirkungen von Steuererhebungen auf E-Zigaretten und dazugehörige Produkte und die Zahl der Umsteiger bezieht. Vorsicht: trocken!

Zitat aus der Einleitung:

Wir liefern einige der ersten Erkenntnisse darüber, wie sich die E-Zigaretten-Steuern auf erwachsene Raucher auswirken, indem wir die große Steuererhöhung in Minnesota ausnutzen. Dieser Staat führte als erster eine Steuer auf E-Zigaretten ein, indem er die Definition von Tabakerzeugnissen auf E-Zigaretten erweiterte

Wir schätzen ein, wie sich diese große Steuererhöhung auf die Raucherentwöhnung bei erwachsenen Rauchern auswirkte. Schätzungen zufolge hat die E-Zigarettensteuer das Rauchen von Erwachsenen in Minnesota im Vergleich zur Kontrollgruppe erhöht und die Raucherentwöhnung gesenkt.

Natürlich lassen sich diese Ergebnisse der Studie nicht eins zu eins auf eine eventuell in Deutschland zu erwartende Steuererhebung übertragen. Sie sind dennoch geeignet eine Tendenz abzubilden und damit einer näheren Betrachtung wert. Im Vorfeld der Ergebnisse werden zuerst einige grundlegende Fakten und Betrachtungsweisen dargelegt.

Ein Großteil der Literatur, in der der Zusammenhang zwischen dem Konsum von E-Zigaretten und dem Rauchen bei Erwachsenen untersucht wurde, stützte sich auf Korrelationsnachweise und ging nicht auf die Endogenität zwischen beiden Verhaltensweisen ein. In mehreren Studien wurde festgestellt, dass die Verwendung von E-Zigaretten mit einer Reduzierung des Rauchens verbunden ist.

…im Vergleich zu Nicht-Benutzern stellen sie fest, dass Langzeit-E-Cig-Benutzer eine höhere Rate an Ausstiegssversuchen sowie eine höhere Rate an erfolgreichen Umstiegen/Entwöhnungen hatten, sowohl im Vergleich zu Nicht-Benutzern als auch zu Kurzzeit-Testern.

Es folgt eine Stellungnahme zu Studien  die behaupten das Dampfen den Umstieg nicht fördert, bzw. nicht geeignet ist Rauchern den Ausstieg aus der Sucht zu ermöglichen. (“Glantz´sches Mantra”)

Grana, Benowitz und Glantz (2014) behaupten, dass der Konsum von E-Zigaretten zwar das Rauchen verringern kann, aber auch die vollständige Raucherentwöhnung hemmen kann…

Diese Studien sind eher korrelativ als kausal .

 Obwohl die zitierten Inhalte der Studie bis jetzt nichts mit dem eigentlichen Thema (Steuern) zu tun haben führen die Verfasser diese wohl in dem Bestreben an, um klarzustellen, das die E-Zigarette erstens ein probates Mittel zur Entwöhnung von der Zigarette ist und zweitens im Wissen um die Ergebnisse ihrer Studie zur Klarstellung was eben verloren gehen könnte, sollte man die Besteuerung nicht überdenken. Deswegen folgt noch ein Verweis auf die durch andere Studien belegte Wirksamkeit von E-Zigaretten.

In einige Studien wurden randomisierte Kontrollstudien (RCT) durchgeführt, um die Wirksamkeit von E-Zigaretten im Vergleich zu anderen Methoden zur Förderung der Raucherentwöhnung zu testen. Bullen  (2013) führten eine RCT durch, an der 657 Raucher teilnahmen, die aufhören wollten. Sie wurden in Gruppen randomisiert, denen E-Cigs, Placebo-E-Cigs (ohne Nikotin) und NRT (Nicotine Replacement Therapy/Pflaster,Kaugummi,Spray etc.) gegeben wurden. Die Studie dauerte 12 Wochen und die Teilnehmer erhielten auch eine eingeschränkte Beratung. Die nach sechs Monaten chemisch nachgewiesenen Abstinenzraten betrugen 7,3% für die E-Zig-Gruppe, 4,1% für die Placebo-E-Zig-Gruppe und 5,8% für den NRT-Gruppe. E-Zigaretten führten daher zu einer höheren Wahrscheinlichkeit des Abbruchs und waren wirksamer als Placebo-E-Zigaretten und NRT, obwohl die Unterschiede statistisch nicht signifikant waren. Bei denjenigen, die nicht aufhörten, war die mediane Zeit bis zum Rückfall bei den Teilnehmern, die E-Zigaretten verwendeten, doppelt so lang wie bei den Placebo-E-Zigaretten und der NRT. Hajek  (2019) führte eine RCT ( Randomisierte kontrollierte Studie) mit 886 Teilnehmern durch, die den National Health Service in Großbritannien um Hilfe gebeten hatten, um mit dem Rauchen aufzuhören. Die 1-Jahres-Abstinenzrate betrug 18,0% für die E-Zigaretten-Gruppe, verglichen mit 9,9% in der Nikotinersatzgruppe.

Die Autoren kommen letztlich zu folgendem Schluss:

…Das teurere E-Zigaretten die Menschen weniger bereit machen, den Umstieg zu versuchen. Die Studie, die die Jahre 2014-15 als Stichprobenfenster verwendete, schätzt, dass 32.000 der 600.000 erwachsenen Raucher in Minnesota E-Zigaretten verwendet haben könnten, um in diesem Zeitraum mit dem Rauchen aufzuhören, wenn nicht die hohe Steuer auf Dampf-Produkte erhoben worden wäre.

Wenn diese Steuer auf nationaler Ebene erhoben würde, würden etwa 1,8 Millionen Raucher in einem Zeitraum von 10 Jahren davon abgehalten, mit dem Rauchen aufzuhören”, heißt es in der Studie. “Die Besteuerung von E-Zigaretten in Höhe von Zigaretten könnte mehr als 2,75 Millionen Raucher auf nationaler Ebene davon abhalten, im selben Zeitraum aufzuhören.

Das Einführen einer Steuer ähnlich der Tabaksteuer würde also nur zur Folge haben, das ein erheblicher Anteil an Rauchern am Umstieg gehindert würde. Die in diesem Zusammenhang gern ins Feld geführte Argumentation eine Steuer würde Jugendliche und Kinder vom Erwerb der betroffenen Produkte abhalten ist vorsichtig ausgedrückt fadenscheinig. Wie sollte sie das auch? Außerdem ist das Aufgabe des Jugendschutzgesetzes, nicht des Finanzamtes. Wie wäre es denn mal mit der tatsächlichen Umsetzung der erlassenen Gesetze? Klappt ja irgendwie nicht so wirklich hier in Deutschland. Anders ist es ja nicht zu erklären, dass mir des Öfteren Kinder begegnen, die mir, vollkommen betrunken mit einer Kippe in der Hand vor Augen führen, das Jugendschutz anscheinend nur eine Phrase ist. (Oder eben ein Ablenkungsmanöver.)

🤔 Bis die Tage

 

 


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2 Kommentare

  1. Ich denke eine extrem hohe Steuer von 95% wie in Minnesota taugt nicht unbedingt dazu, generelle Aussagen dazu zu machen, was eine Besteuerung ganz allgemein auslösen kann. Die Höhe hat da schon eine erhebliche Relevanz insbesondere im Vergleich zur Besteuerung “normaler” Tabakprodukte. Bei genug Gefälle zwischen beiden Produktgruppen und einer maßvollen Besteuerung im Falle der E-Zigarette würde ich da eher keinerlei statistisch sichtbare Auswirkungen vermuten.

    1. Stimmt, deswegen steht in meinem Beitrag ja auch:

      “Natürlich lassen sich diese Ergebnisse der Studie nicht eins zu eins auf eine eventuell in Deutschland zu erwartende Steuererhebung übertragen. Sie sind dennoch geeignet eine Tendenz abzubilden

      und:

      Das Einführen einer Steuer ähnlich der Tabaksteuer würde also nur zur Folge haben, das ein erheblicher Anteil an Rauchern am Umstieg gehindert würde.”

      Es geht also darum was ich durchaus für möglich halten würde sollte die Steuer ähnlich hoch sein wie die Tabaksteuer. In diesem Fall befürchte ich tatsächlich das es ähnliche Auswirkungen, wie die in der Studie beschriebenen gäbe. Triebfeder des Umstiegs ist durchaus, auch wenn nicht so oft als Grund angegeben, der Preis.

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