Im 10. Jahr Dampfen (Teil 1)

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Alle bisherigen Artikel der Serie auf einer Seite .

Nun ist es fast 10 Jahre her, das ich mit dem dampfen angefangen habe. Oder besser gesagt ich befinde mich in meinem zehnten Jahr. Zeit zurückzublicken auf einen spannenden Teil meines Lebens. Und da ich immer noch nicht an Kurzatmigkeit, Löchern in der Lunge oder prophezeitem Hirnfraß leide, wird der Beitrag etwas länger und ist deswegen aufgeteilt in 4 Artikel (schonungslos ehrlich).😁😁

 


Im 10. Jahr Dampfen 2010

Mein erster Kontakt mit der E-Zigarette war eine nächtliche TV-Werbung zwischen kuriosen schwarz gewandeten Damen, die mich aufforderten sie anzurufen (Warum?) und ältlichen Vertreterinnen gleichen Geschlechts, die mir am Telefon alles erdenklich Gute aus irgendwelchen Karten lesen wollten. Sozusagen zwischen Peitschenknall und Weihrauch erspähte ich eine Zigarette aus Metall, so schien es zumindest. Gesundheit und enorme Geldersparnis sollten mich erwarten. Rasch bestellt, sparen will man ja immer. Nun ja, das mit dem “billig” sollte wohl erst später anfangen denn das winzige Teilchen kostet mal eben 50 Tacken, kam dafür aber schon wenige Tage später bei mir an. Das “Wunderwerk” sah genau aus wie eine Pyro, wog nur mehr. Logisch. Hektisch die Bedienungsanleitungen gelesen, geladen, mit der mitgelieferten Kartusche bestückt und dran gezogen…

Damit war das Kapitel auch sofort wieder beendet, die 50 Euro landeten in kühnem Schwung im Batterieabfallbehälter des Supermarktes. Aber wie man so schön sagt, es hatte sich da was festgesetzt im Koppe. Kurz darauf landete die Ego (Joyetech) bei mir, dafür flogen dann die Pyros in die Tonne. So unspektakulär hatte es angefangen. Viel war ja auf dem deutschen Dampfermarkt auch noch nicht los. Ein paar Facebookgruppen gab es schon. Youtube war noch nicht das erste Mittel der Wahl, wenn man sich informieren wollte und auf der Straße wurde man noch wie ein Mondkalb angeschaut, wenn man an seiner Ego zog. Kollegen nervten reihenweise mit der Aufforderung: “Zieh mal!” begleitet von ehrfürchtigen Ausrufen wie: “Mann dit qualmt ja wie in echt!” Diese kindliche Freude der Beobachter sollte sich in den nächsten Jahren noch wandeln, aber dazu später. Noch war das “elektrische Rauchen” etwas Neues und ihm haftete auch noch etwas Geheimnisvolles an.


2011

2011 war definitiv das Jahr der Ego-T von Joyetech. Alle wollten sie, alle hatten sie und bis auf das Aussprechen des Firmennamens waren sich auch alle ziemlich einig (also über ihre Defizite). Ein Zustand, der in der Dampferblase danach wohl nie wieder erreicht werden sollte. Apropos, vielleicht hätte sich die Firma einfach mit Bindestrichen schreiben sollen, dann hätte man sich nicht mal um die Aussprache gestritten. JOY-E-TECH !

Langsam kam Bewegung in das was man heute “Dampferszene” nennt. Philgood hatte sein erstes Video hochgeladen, die ersten Dampfershops boten online auch mehr an als nur Ego Modelle. In aller Munde war in diesem Jahr der berühmt-berüchtigte ProVari  Akkuträger (von ProVape USA). Die Firma gibts heute leider auch nicht mehr. Mensch der hat am Feuertaster rot geleuchtet und hatte n ordentliches Display, auf dem man so interessante Sachen wie den Ohm-Wert des Verdampfers ablesen konnte, war Spitze in der Verarbeitung und nicht gerade billig. Er konnte mit 18490-iger oder 18650-iger Akkus betrieben werden. Ich glaube erstere gibts gar nicht mehr in E-Zigaretten. Die ersten Dampfertreffen fanden statt (Dresden, Marburg) und die Foren und Youtube-Kanäle wurden langsam immer größer. Nikotinbasen konnte man in nahezu allen vorstellbaren Konzentrationen kaufen. Dafür war der Aromenmarkt noch relativ übersichtlich. Fruchtig-Frisch und Tabak, ggf. Kaffee- oder Mokka-Aromen waren wohl am beliebtesten. Sogenannte Premiums im Sinne von sehr komplexen Mischungen gab es in der Form noch nicht. Das hat man sich halt selbst gemischt. Ich habe in dem Jahr eigentlich kaum irgendeinen Trend mitgemacht (außer ProVari) und mich hauptsächlich an dem festgehalten was ich hatte. Der HWV hatte mich noch nicht erwischt. Aber auch das sollte sich ändern. Zwischendurch habe ich hin und wieder eine (tatsächlich nur eine) Zigarette geraucht und immer wieder sehr schnell ausgemacht, weil ich den Geschmack gar nicht mehr ertragen konnte. Politik und Gesundheitspäpste ließen uns Dampfer weitestgehend in Ruhe und Big Pharma sah die paar “Wolkenmacher” auch noch nicht wirklich als ernstzunehmende Bedrohung für Ihre Pillchen, Sprays und Pflasterchen. Das änderte sich zum Jahresende schlagartig. Presse, TV und Radio überschütteten die Dampfer mit Negativmeldungen und Unwahrheiten. Das ließ schon ahnen das 2012 ein hartes Jahr werden würde…


2012

Die dpa und bedingt durch Copy & Paste auch andere schießen gleich am Anfang des Jahres aus allen Rohren auf die Dampfe. Viele Dampfer gehen in die Offensive und versuchen, zum Teil auch durchaus medial wirksam, auf die Verdrehungen und Unwahrheiten aufmerksam zu machen. Philgood gründet seine Aktion “Mut zur Wut” und die Medien, die sich angegriffen fühlen, reagieren in höchstem Maß unprofessionell und schüren dadurch den schwelenden Konflikt nur noch mehr. Besonders hervorgetan hatte sich damals die Deutsche Apotheker-Zeitung, indem sie eben jenen Philgood als Person angriff aber nur wenig gegen die Fakten, die er vorbrachte, ins Feld zu führen hatte. Dazu passend ein Zitat aus diesem Organ. Den ganzen Artikel gibt es hier. 

“Ein gewisser “Philgood” – mit seinem Namen soll wohl das Gefühl von “feel good” assoziiert werden – erklärt in einem dreiteiligen Video auf YouTube, wie man Nicotinlösungen zum Eigengebrauch produzieren kann. Sein Glaubensbekenntnis zur e‑Zigarette nennt er “Mut zur Wut”, denn es gebe eine Hetzjagd auf die Dampfer. Offensichtlich soll da eine neue Gruppe von Wutbürgern entstehen.”

“…aber auch dieses Beispiel zeigt, welche Gefahren solche “Sozialen Netzwerke” auch für die Volksgesundheit darstellen können. Das Netzwerk der Dampfer scheint nicht gerade klein zu sein.” (2012)

Nachdem NRW´s Gesundheitsministerin Barbara Steffens bereits am Ende des Jahres 2011 angekündigt hatte das nikotinhaltige Liquids als Arzneimittel gelten und daher einer Zulassung bedürfen, folgt die Bundesregierung dieser Linie in einer Antwort auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. Das Verbot gelte auch für den Internet-Handel. „Die betreffenden Produkte können, da der Versender mit dem Versand gegen das Arzneimittelgesetz (…) verstößt, sichergestellt und eingezogen werden“, heißt es in der Antwort. Unter den Dampfern bricht Panik aus. Sogenannte Bunker-Basen werden zum Verkaufsschlager. In mehreren Razzien werden in Schwelm  (NRW) und im Raum Hannover über 61500 Liquidfläschchen beschlagnahmt. Die Begründungen in diesem Zusammenhang stellen den Beginn der Märchen über die angeblich (bis dato 2020 nicht nachgewiesenen) schädlichen Wirkung von PG dar  auch die sogenannte Gateway Theorie wird zunehmend thematisiert.

Der inhalierte Dampf bestehe zu 90 Prozent aus Propylenglykol, das „akute Reizungen der oberen Atemwege und Augen“ auslösen könne sowie „Beeinträchtigungen der Atemfunktion.“ Und: „Nebenwirkungen wie Verengung der Atemwege konnten in einer Aktuellen Studie bei E-Zigarettenrauchern bereits nach fünf Minuten nachgewiesen werden.“ Außerdem sei die E-Zigarette vor allem für Jugendliche ein Einstiegsprodukt. (Quelle )

Die Razzien fanden letztlich ohne Rechtsgrundlage statt und der Ministerin wurde per Beschluss des Oberverwaltungsgerichtes in Münster per einstweiliger Anordnung untersagt vor  E-Zigaretten zu warnen. E-Zigaretten und nikotinhaltige Kartuschen unterlägen weder dem Arzneimittel- noch dem Medizinproduktegesetz, befanden die Richter in einem unanfechtbaren Beschluss. Das DKFZ sprang der Ministerin bei in dem es verkündete: “Die E-Zigaretten sollten weder frei verkäuflich sein noch sollte es erlaubt sein, sie in Gaststätten oder am Arbeitsplatz zu benutzen.”  Womit klar war, aus welcher Richtung der Wind in Zukunft wehen sollte. Durch das Urteil wurde ebenfalls weitestgehend die Einschätzung der Bundesregierung kassiert, die in dem Maße eben nicht mehr tragbar war. Das bedeutete allerdings keine Entspannung der Situation, im Gegenteil das DKFZ und andere “Mitstreiter” fühlten sich durch diesen Dämpfer noch mehr gefordert der Dampfe alles mögliche in die Schuhe zu schieben.

Zugegeben zu dieser Zeit hatte ich mich aktiv noch gar nicht mit derartigen Themen befasst. Ich habe einiges an Basen gebunkert und fühlte mich damit auf der sicheren Seite. Also der “stille” Konsument. Natürlich änderte sich das, aber das lag noch in weitem Felde… Außerdem fühlte ich mich, genau wie viele andere Dampfer, nach dem Urteil des OVG bestätigt, dass es ja wohl so schlimm nicht werden konnte. Die Panikwelle flachte im Laufe des Jahres ab. Viel spannender fand ich die ersten wirklich funktionierenden Selbstwickler am Markt. Der HWV hatte mich mittlerweile auch im Griff und trieb mich dazu einen Youtube Kanal zu eröffnen, in dem ich mehr schlecht als Recht meine neuen Sachen vorstellte und bewertete. Damals war da wie gesagt noch nicht so viel los und 1000 Abos waren Ruck-Zuck erreicht. Nach 6 Monaten stellte ich das Experiment ein. Das geschrieben Wort hatte mir wohl damals schon mehr bedeutet. Außerdem fehlte es an neuem Material. Es war zu der Zeit üblich, dass es in schneller Folge verschiedenen Versionen von Verdampfern gab, also V1,V2,V3 etc., aber die unterschieden sich zumeist nur im Namen. Also nicht “Dranbleiben, Spannend!” sondern eher wie Peter Lustig “Abschalten!” 😜

Mit 2013,14 und 15 gehts morgen weiter…

 

 


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2 Kommentare

  1. Das erinnert mich doch glatt daran, die Provari einmal wieder vorzukramen. Eine unverwüstliche und qualitativ höchsten Ansprüchen genügende Tube seiner Zeit. In der Leistung ist sie mit den heutigen Geräten keinesfalls mehr vergleichbar. Dafür hat die Dampferzeit eine ebenso rasante Entwicklung genommen, wie die IT-Technologie. Auch ich bin noch mit der Ego-T groß geworden, wo ein ein Dryburn zur weiteren Verwendung maßgeblich Kosten gespart hatte 🙂

    10 Jahre … wertvolle Erinnerungen …

    1. Hin und wieder benutze ich sie tatsächlich noch, war und ist ein schickes Teil (und dieses blaue Display 🙂). Jedenfalls haben andere Akkuträger aus der Zeit bei mir nicht überlebt… 🙂

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