Ärzteblatt bleibt Faktenresistent

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Ärzteblatt bleibt Faktenresistent  19.01.2020 7:36 Uhr

Nachdem mittlerweile Ärzte, verschiedene Institute und Einrichtung des Bundes dem Dampfen ein deutlich geringeres Schädlichkeitspotential bescheinigen und es, wenn auch vorsichtig, durchaus als probates Mittel zur Rauchentwöhnung vorschlagen, bzw. zu einer weniger „moralinsauren“ Betrachtung des Themas raten, bleibt das Aerzteblatt(.de) Faktenresistent. Seit einigen Wochen wird immer wieder die gleiche Schlagzeile mit lediglich veränderten Fallzahlen veröffentlicht. So zuletzt am 17.01.2020.

„Zahl der Toten durch E-Zigaretten in den USA auf 60 gestiegen“

„Die Zahl der Toten nach dem Gebrauch von E-Zigaretten in den USA steigt weiter an. 60 Menschen seien bislang gestorben.“ – „Die Ursache für die Lungenschäden ist laut CDC noch immer nicht vollständig geklärt. Als eine mög­li­che Ursache war zuletzt ein aus Vitamin E gewonnenes Öl ausgemacht wor­den.“ -„In Deutschland und auch europaweit ist bislang kein ähnlicher Anstieg von Lungen­schä­digungen bekannt.“

Die Überschrift an sich ist natürlich einzig und allein darauf ausgerichtet die Dampfe wider besseren Wissen als „Schuldige“ zu diffamieren. Das ist vollkommener Schwachsinn, eine Posse die eines Fachmagazins unwürdig ist. Die Autoren haben sogar noch die Chuzpe auf das originale Datenmaterial bei der CDC zu verlinken, wahrscheinlich in der Hoffnung der gestresste Mediziner der diesen Artikel liest wird nicht auch noch Datenrecherche betreiben wollen. Würde er das nämlich tun würde ihm sehr schnell auffallen das da irgendetwas nicht stimmen kann. Erstens vermittelt der Artikel in Form und Aufmachung den Eindruck das die Gesamtproblematik von EVALI  (E-Cigarette or Vaping Product use-associated Lung Injury) im Wachsen begriffen wäre. Dem ist nicht so.

Nachdem man endlich die Bevölkerung über die Ursachen der Erkrankung vollumfänglich aufgeklärt hat, sind die Fallzahlen rapide gesunken und bewegen sich teilweise (monatlich) im einstelligen Bereich. Für die Formulierung „Die Ursache für die Lungenschäden ist laut CDC noch immer nicht vollständig geklärt.“  klammert man sich nur allzu gern an folgende Originalaussage des CDC:

Vitamin E acetate is strongly linked to the EVALI outbreak. However, evidence is not sufficient to rule out the contribution of other chemicals of concern, including chemicals in either THC or non-THC products, in some of the reported EVALI cases.

Vitamin E-Acetat ist stark mit dem EVALI-Ausbruch verbunden. In einigen der gemeldeten EVALI-Fälle reichen die Nachweise jedoch nicht aus, um als Ursache andere bedenkliche Chemikalien, einschließlich Chemikalien in THC- oder Nicht-THC-Produkten, auszuschließen.

Merkwürdigerweise hat das Ärzteblatt selbst am  23.12.2019 in einem Artikel mit dem Titel :

E-Zigaretten: Studie bestätigt Vitamin E als Verursacher von EVALI

den Auslöser von EVALI benannt.

Im Prinzip ist doch klar, dass das CDC diese Aussage lediglich nutzt, um sich im Fall einer  nicht sehr wahrscheinlichen im Nachgang ggf. noch auftretenden anderen  Ursache abzusichern. Denn bei der CDC heißt es weiter:

Laboratory data show that vitamin E acetate, an additive in some THC-containing e-cigarette, or vaping, products, is strongly linked to the EVALI outbreak.

  • A recent studyexternal icon analyzed samples from 51 EVALI cases from 16 states and a comparison group of samples from 99 healthy people for vitamin E acetate, plant oils, medium chain triglyceride (MCT) oil, coconut oil, petroleum distillates, and diluent terpenes.
  • Vitamin E acetate was identified in bronchoalveolar lavage (BAL) fluid samples (fluid samples collected from the lungs) from 48 of the 51 EVALI patients, but not in the BAL fluid from the healthy comparison group.
  • No other toxicants were found in BAL fluid from either group, except for coconut oil and limonene (1 EVALI patient each).

Labordaten zeigen, dass Vitamin E-Acetat, ein Zusatzstoff in einigen THC-haltigen E-Zigaretten- oder Vaping-Produkten, stark mit dem EVALI-Ausbruch zusammenhängt.

  • In einer kürzlich durchgeführten Studie wurden Proben aus 51 EVALI-Fällen aus 16 Bundesstaaten und eine Vergleichsgruppe von Proben aus 99 gesunden Menschen auf Vitamin E-Acetat, Pflanzenöle, mittelkettiges Triglyceridöl (MCT), Kokosnussöl, Erdöldestillate und Verdünnungsmittelterpene analysiert.
  • Vitamin E-Acetat wurde in Flüssigkeitsproben der bronchoalveolären Lavage (BAL) (Flüssigkeitsproben aus der Lunge) von 48 der 51 EVALI-Patienten identifiziert, nicht jedoch in der BAL-Flüssigkeit aus der gesunden Vergleichsgruppe.
  • Mit Ausnahme von Kokosnussöl und Limonen (je 1 EVALI-Patient) wurden in BAL-Flüssigkeit aus keiner Gruppe andere toxische Substanzen gefunden.

Bei 48 von 51 untersuchten Proben wurde also Vitamin E-Acetat nachgewiesen. Damit sollte die Ursache als geklärt gelten.

Noch perfider wird es allerdings bei dem am Ende des Artikels eingestreuten vollkommen sinnfreien Satz: „In Deutschland und auch europaweit ist bislang kein ähnlicher Anstieg von Lungen­schä­digungen bekannt.“

Liebes Ärzteblatt, für einen Anstieg im Wortsinn bedarf es erst einmal eines Aufkommens. Da es aber keinen einzigen Fall von EVALI in Deutschland gegeben hat, kann es ergo auch keinen Anstieg geben. Zumal die Verwendung des Wortes ähnlich ja sogar impliziert es hätte einen Anstieg gegeben, nur eben nicht so dramatisch wie in den USA. Ich sags ja – eine Posse.

Was die Autoren im übrigen auch nicht erwähnen ist das die CDC ihre ursprüngliche Empfehlung auf die Dampfe zu verzichten, mittlerweile von ihrer Seite entfernt hat und genau wie es die Faktenlage verlangt darauf hinweist auf THC-haltige Liquids sowie auf den Kauf von Produkten auf der Straße oder von Online Händlern (Firmen wie Dank Vapes etc.) abzusehen.

  • CDC and FDA recommend that people not use THC-containing e-cigarette, or vaping, products, particularly from informal sources like friends, family, or in-person or online dealers.
  • Vitamin E acetate should not be added to any e-cigarette, or vaping, products. Additionally, people should not add any other substances not intended by the manufacturer to products, including products purchased through retail establishments.
  • Adults using nicotine-containing e-cigarettes or vaping products as an alternative to cigarettes should not go back to smoking…
  • CDC und FDA empfehlen, keine THC-haltigen E-Zigaretten- oder Vaping-Produkte zu verwenden, insbesondere nicht von Quellen wie Freunden, Familienangehörigen oder Online-Händlern.
  • Vitamin E-Acetat sollte keinem E-Zigaretten- oder Dampfprodukt zugesetzt werden. Darüber hinaus sollten Personen keine anderen Substanzen zu Produkten hinzufügen, die nicht vom Hersteller beabsichtigt sind, einschließlich Produkte, die über Einzelhandelsgeschäfte gekauft wurden.
  • Erwachsene, die nikotinhaltige E-Zigaretten oder Vaping-Produkte als Alternative zu Zigaretten verwenden, sollten nicht wieder rauchen. 

Bis die Tage

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2 thoughts on “Ärzteblatt bleibt Faktenresistent

    1. Dachte ich es mir doch als ich von mobilen Liquidverdampfern gelesen habe 🙂 . Ja wenn man solche Artikel liest, braucht man sich über Mediziner wie im letzten VSI Video nicht wirklich wundern…

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