Paralleluniversum Aerzteblatt.de

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28.01.2020 05:15 Paralleluniversum Aerzteblatt.de

Titelbild von Gerd Altmann auf Pixabay

Das Aerzteblatt.de tauchte ja hin und wieder mal in meinen Artikeln auf, meist eher gescholten. Was mit Sicherheit daran liegt und lag, dass sie gewisse Abneigungen gegen die Dampfe hegen und pflegen. Zumeist unbegründet, sollte man dazu bemerken (also die Abneigungen.) Entsprechend erstaunt war ich als ich am 27.01.2020 über einen Beitrag o.g. Anbieters stolperte, der nur registrierten Benutzern zugänglich ist. Aerzteblatt titelt dort:

E-Zigaretten: Experten aus Deutschland sehen Nutzen für den Rauchstopp


Da ging es mir wie Barney  Stinson! Haben die nicht gerade gefühlt vor einer Woche genau das Gegenteil behauptet bzw. unreflektiert wiedergekäut was die dpa hergab? Ja, haben sie, nur so nebenbei. Siehe hier und da . Aber egal, wenn dort etwas sachlicher und fundierter berichtet wird sollte man auch das erwähnen, Fairness gehört nun mal dazu. Der Artikel gründet weitestgehend auf eine Pressekonferenz des Science Media Centers Germany vom 22.01.2020, die leider etwas unbeachtet an vielen Pressevertretern vorübergegangen ist. Hauptthema war: „Wie sollen E-Zigaretten künftig reguliert werden?“  Wer die Zeit hat, sollte sich diese Pressekonferenz auf jeden Fall einmal anhören. (Wer jetzt hofft das dort Loblieder auf die Dampfe gesungen werden, wird natürlich ein wenig enttäuscht. Trotzdem nähert man sich dem Thema insgesamt doch  viel sachlicher als wir es in den letzten Monaten gewohnt waren und so argwöhne ich, als es von den anwesenden Spezialisten beabsichtigt war.)

als Transkript

als Video   (Achtung: miese Tonqualität)

 


Aufgrund dieser Pressekonferenz kommt das Aerzteblatt.de nun zu diesen Schlussfolgerungen bzw. gibt die Aussagen der auf der Konferenz anwesenden Spezialisten wieder:

„Vergangene Woche veröffentlichte die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) eine Reihe von Fragen und Antworten zum Thema E-Zigaretten. Für Raucher, die aufhören möchten, empfiehlt die WHO ausschließlich bewährte Nikotinersatztherapien. Keine Empfehlung spricht sie hingegen für E-Zigaretten aus – denn hierfür würde bisher die Evidenz fehlen. Etwas anderes [sic] sehen das Experten aus Deutschland.“

„Das Image der E-Zigaretten hat sich in den vergangenen Monaten stark verschlechtert. Ursache dafür sind die zahlreichen Lungenerkrankungen und 57 Todesfälle, die in den USA auf E-Zigaretten zurückgeführt wurden – allerdings auf ein Vitamin-E-Acetat, das in illegalen Produkten als Verdickungsmittel für THC  verwendet wird.“

Man sollte die 57 Toten durch die missbräuchliche Anwendung des Vitamin-E-Acetats aber ins Verhältnis setzen zu jenen, die täglich an den Folgen des bestimmungsgemäßen Gebrauchs der Zigarette sterben: „Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium spricht von 120.000 Toten pro Jahr in Deutschland, was etwa 380 pro Tag entspricht“.

„Stattdessen solle das Potenzial der E-Zigarette zur Entwöhnung vom Rauchen genutzt werden.“ 

„Es gibt ein gewisses Schadenspotenzial, insbesondere für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und für Lungenerkrankungen. Das sei aber erheblich weniger schädlich als das Schadenspotenzial herkömmlicher Zigaretten – sofern die E-Zigarette sachgemäß verwendet werden würde. Beim Rauchstopp könnte das Dampfen dieser Ersatzprodukte daher durchaus nützlich sein. Das habe auch eine britische Studie gezeigt.“


Wer die Artikel des Aerzteblatts der letzten Monate gelesen hat, versteht, warum man sich nach diesem wie in einem Paralleluniversum fühlt. Trotzdem, alles in allem durchaus positiv zu bewerten. Wobei natürlich das Hauptaugenmerk auf der oben erwähnten und als Audiodatei verlinkten Pressekonferenz (eigentl. Press-Briefing) liegen sollte. Ich kann nur nochmal sagen Anhören!!! 😁

Ob die Aussagen des Artikels oder eher die Fragen und Antworten der auf der Konferenz anwesenden Pressevertreter und Spezialisten den Weg in selbige finden, bleibt fraglich, wäre aber wünschenswert.Genauso wünschenswert wäre das die Ärzte, an die sich die Inhalte ja richten, ebenfalls vermehrt aufgrund der getätigten Aussagen Ihre Standpunkte zum Thema überdenken. Und natürlich muss ich am Ende noch etwas sticheln. Das sich dieser Beitrag, der doch tatsächlich gar nicht so schlecht ist, ausgerechnet hinter einer „Register-Wall“ versteckt, entzieht sich meinem Verständnis. Ihren „Kernschrott“ (Danke Roman / Wort ausgeborgt) verbreiten sie doch auch ohne Beschränkungen.

 

Bis die Tage

Paralleluniversum Aerzteblatt.de


Nachtrag:

Vapertus hat mich noch auf folgendes hingewiesen (29.01.2020):

„Diese Pressekonferenz ging an eine spezielle Gruppe von Journalisten, die sich dazu angemeldet haben. Sie bezahlen für ihre Teilnahme daran. Dafür haben sie quasi die Erstverwertungsrechte an den Infos. Das Ärzteblatt zählte zu den geladenen Gästen. Das Video, was zugegebenermaßen schon weit in FB-Gruppen geteilt wurde, war allerdings noch auf „nicht gelistet“ gestellt. Es konnten also nur diejenigen darauf zugreifen, die den Link dazu auch kennen. Erst gestern wurde es nach Ablauf einiger Tage der Öffentlichkeit zugängig gemacht (Videostatus in „öffentlich“ geändert), so dass auch jetzt erst jene Blätter Kenntnis davon erhalten, die zur Konferenz nicht geladen waren.“ Danke für den Hinweis.

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