Neue Studie – jetzt zur Mundflora

Neue Studie – jetzt zur Mundflora

28. Mai 2020 2 Von Matthias Jung
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Neue Studie – jetzt zur Mundflora

 

Eine neue Studie legt nahe das Dampfen eine Mundflora begünstigt, die jener von Patienten mit schwerer Parodontitis entspricht. Das sagt zumindest ein Artikel von ntv zu besagter Studie. Was ist dran?

aus dem Abstract:

Sechs Prozent der Amerikaner, darunter drei Millionen Highschooler, verwenden E-Zigaretten, die potenziell toxische Substanzen, flüchtige organische Verbindungen und Metalle enthalten. Wir präsentieren die erste Studie am Menschen zu den Auswirkungen der Exposition gegenüber E-Zigaretten in der Mundhöhle. Durch die Abfrage sowohl der immunoinflammatorischen Reaktionen als auch der mikrobiellen Funktionsdynamik entdeckten wir eine Überrepräsentation von Krankheitserregern, höhere Virulenzsignaturen und ein lebhaftes proinflammatorisches Signal bei klinisch gesunden E-Zigaretten-Anwendern, das Patienten mit schwerer Parodontitis entspricht. […] Die vorliegende Studie stellt die Sicherheit von E-Zigaretten und die durch Werbekampagnen geförderte Darstellung der Schadensminderung in Frage.

Wie bei allen Studien zum Thema setze ich mich erst einmal unvoreingenommen damit auseinander. Genau so verfahre  ich mit Warnungen zu meinen bevorzugten Produkten. Erstens kann man als Laie schwer einschätzen ob was “dran” ist und zweitens geht es ja um das Thema Harm Reduction. Ich will also, das eben diese spürbare Minderung des Gesundheitsrisikos auch tatsächlich vorhanden ist. Ergo nicht wahllos mit dem Knüppel draufschlagen, auch wenn es nicht gefällt. Sondern lesen, vergleichen, Quellenanalyse betreiben und abwägen. In den allermeisten Fällen stellt man fest, das in der eigentlichen Studie weitaus weniger heiß gekocht wurde, als es in der Presse dann gegessen wird! So auch in diesem Fall. Aber zuerst, was ist

Parodontitis:

“…bezeichnet eine bakterielle Entzündung des Zahnbettes (den Zahn umgebendes und stabilisierendes Gewebe und Knochen). Die Krankheit beginnt oft schleichend und vom Patienten unbemerkt. Bleibt sie lange Zeit unbehandelt, kann sie zu Lockerung und Verlust der Zähne führen.” Unter Umständen benötigt eine Parodontitis bis zu 10 Jahre um sich auszubilden, ist also ein eher schleichender Prozess.

Was sagt die Studie tatsächlich?

“Unabhängig von der Art der Exposition wurden 30% des Metagenoms unter allen Individuen geteilt, was Hinweise aus anderen Mikrobiomstudien am Menschen bestätigt . Die multivariate Analyse zeigte jedoch eine statistisch signifikante Gruppentrennung zwischen Rauchern, E-Zigaretten-Nutzern und Nichtrauchern, die sowohl auf funktionellen als auch auf taxonomischen Profilen beruhte. Selbst innerhalb des gemeinsamen Metagenoms zeigten E-Zigaretten-Benutzer eine Anreicherung von 284 Genen im Vergleich zu Rauchern […] Diese Gene bezogen sich auf die folgenden Prozesse: Alanin- und Arginin-Biosynthese, Polyamin-Metabolismus, zentraler Kohlenhydrat-Metabolismus, Ein-Kohlenstoff-Metabolismus, Mono-, Di- und Oligosaccharid-Metabolismus, Fermentation sowie Zellteilung und Zellzyklus, was darauf hinweist, dass es sich zwar um zentrale Stoffwechselprozesse handelt die in allen drei Gruppen vorhanden waren, die spezifischen Wege, die zu diesen Prozessen beitrugen, waren jedoch jeweils unterschiedlich.”

Grob vereinfacht kann man sagen, das die Studie festgestellt hat, das sich das Mikrobiom (Gesamtheit aller Mikroorganismen in der Mundhöhle) von Dampfern grundlegend von der von Rauchern und Nichtrauchern unterscheidet. Festgestellt wurde das durch eine sogenannte Metagenomstudie. Als Metagenom bezeichnet man die Gesamtheit der genomischen Information der Mikroorganismen eines bestimmten Mikrobioms. Zu ca. 30% deckten sich die genomischen Informationen aller drei Gruppen.

Flapsig ausgedrückt hatten alle drei Gruppen zu ca. einem Drittel dasselbe “Gekreuch” in der Gusche. Das “Gekreuch” bei Dampfern  und bei Rauchern die zusätzlich dampften war dabei so ähnlich,das man es als typisch bezeichnen konnte. Soll heißen es gibt tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Dampfen und Mundflora.

Aber was heißt das nun genau?

Da die Ähnlichkeit vollkommen unabhängig vom Nikotingehalt und verwendeten Aromen festzustellen war, gehen die Wissenschaftler davon aus das mit hoher Sicherheit Glykol und Glycerin für die Veränderung der Mundflora verantwortlich sind. Obwohl die Forscher im Abstract noch unheilschwanger verkündeten es gebe ein: “lebhaftes proinflammatorisches Signal”, relativieren sie die Aussage im folgenden Text auf: 

“Die Entzündungsreaktionen waren bei den Dampfern nicht grundsätzlich stärker als bei den Rauchern, sondern anders.”

Das “wie” um das mysteriöse “anders” wird leider nicht aufgeklärt. Halt einfach anders, aber nicht stärker als bei Rauchern. Mit anderen Worten: was Genaues weiß man (noch) nicht. Weitere Studien sind notwendig! Das Risiko Einer Veränderung der Mundflora bei Dampfern (wie sie eben auch durch das Rauchen eintritt) ist nicht größer als beim Rauchen!

Ob das in diesem Fall wahrscheinlich gleich große Risiko (zum Rauchen, aber nur in diesem speziellen Fall) im Gegensatz zu den anderen erheblich schwerwiegenderen gesundheitlichen Beeinflussungen durch das Rauchen, einen vom Dampfen abhalten sollte, muss man wohl selbst entscheiden. Ich kann das zumindest für mich persönlich verneinen. (Vergleich Pickel auf der Stirn mit Krebsgeschwür in der Lunge, also von der Wertigkeit). Außerdem auf ggf. krankhafte Veränderungen am Zahnfleisch, denn darum geht es ja, wird mich wohl der Zahnarzt zeitnah hinweisen.

Also für mich kein Grund die Dampfe ins Korn zu werfen!

 

 

Bis die Tage

 

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