Louise Ross-Pragmatismus vs Dogma

4.9
(18)

 

(Titelbild: Youtube)

Über die inspirierenden Ansichten einer altgedienten Kämpferin gegen das Rauchen. Ihr Wunsch nach Pragmatismus und ihre Ablehnung der E-Zigaretten Dogmen.

Es geht um eine Rede die anlässlich der jährlich stattfindenden Ehrung von Prof. Dr. Michael Russel auf der ebenfalls jährlich abgehaltenen Konferenz “Global Forum of Nicotine”, kurz GFN  die von Louise Ross gehalten wurde. Corona bedingt fand die Konferenz in diesem Jahr online statt. Für die Leser die mit den eben genannten Namen und Veranstaltungen nicht vertraut sind, ist eine kurze Erklärung notwendig. Ganz kurz, versprochen.

Prof. Dr. Michael Russel – Wenn vielleicht auch vielen der Name nicht unbedingt bekannt vorkommen mag, so werden doch die meisten folgenden Ausspruch von Ihm kennen. “People smoke for nicotine but they die from the tar.” (Menschen Rauchen wegen des Nikotins, sterben aber am Teer.). Er gilt als einer der Pioniere der Harm Reduction und als einer der “Großen” in der Tabakforschung. Russel starb 2009. Seit 2014 wird um Ihn zu ehren auf der GFN  eine “Michael Russel Oration” gehalten. Randbemerkung: Das er alles richtig gemacht haben muss beweist das Stanton A. Glantz es auch Jahre nach seinem Tod nicht lassen kann diesen Wissenschaftler zu diskreditieren.

GFN – Global Forum on Nicotine.  Erstmals 2014 ausgerichtet. Es findet seitdem jährlich statt. Die Konferenz 2020 sollte im Juni in Warschau stattfinden. Im März 2020 wurde “GFN 2020” aufgrund der globalen COVID-19-Pandemie als Online Veranstaltung ausgerufen (11.-12. Juni). Das Thema für dieses Jahr lautete: „Nikotin: Wissenschaft, Ethik und Menschenrechte“.

Louise Ross – Louise Ross leitete von 2004 bis 2018 den Raucherentwöhnungsdienst in Leicester City (Großbritannien). Gegenüber dem Thema Dampfen war sie zunächst skeptisch und besorgt. Nachdem sie einige Dampfer getroffen hatte, erkannte sie, dass die Einführung dieser neuen Technologie einen enormen potenziellen Nutzen bringt, und benannte ihr Team zum ersten „E-Zigaretten-freundlicher“ Raucherentwöhnungsdienst um.

Ebenjene Louise Ross steuerte in diesem Jahr die Rede für die “Michael Russel Oration” bei. Ich zitiere einige Ausschnitte aus der Rede und lasse sie aber völlig unkommentiert. Das wäre auch nicht nötig. Klare Worte für klare Standpunkte, ganz besonders da sie aus der Sicht eines Menschen resultieren der lange Jahre versucht hat anderen Menschen zu helfen vom Rauchen loszukommen und erkannt hat das hier Pragmatismus durchaus angebracht ist.

Der Text der Originalrede wurde vom Clive Bates Blog  übernommen und lediglich von mir übersetzt.

Ich dachte buchstäblich, wir würden das ganze Rauchproblem in ein paar Jahren lösen können. (Anm.: nachdem Louise Ross Bekanntschaft mit der E-Zigarette geschlossen hatte…)

Aber wie wir nur zu gut wissen, versammelten sich die Gegner und sie kamen heraus um zu kämpfen. Auf jede Medienstory, die Panik über eine neue Gesundheitsangst betreffs des Dampfens auslöste, kamen am nächsten Tag Kunden unseres Service in die Klinik, knallten die freien Dampfgeräte, die sie erhalten hatten, auf den Tisch und riefen dem Berater zu, dass sie gelesen hätten, dass dies sie töten würde. Und dass sie wieder rauchen würden, weil sie zumindest wussten, woran sie damit waren. Einige würden auf NRT (Nicotine replacement therapy / Nikotinersatztherapie) zurückgreifen, was ihren Rückfall zum Rauchen nur für eine Weile verzögern würde.

 

Aber es gab gute Nachrichten. Als wir die Metriken durchführten, konnten wir sehen, dass mehr Menschen mit dem Dampfen aufhörten als mit NRT (Nicotine replacement therapy / Nikotinersatztherapie), und wir wussten, dass es kein Zurück mehr gab. Gelegentlich bekam jemand in unserer eigenen Abteilung kalte Füße, wenn wieder  eine Gruselgeschichte bekannt wurde. Aber zu diesem Zeitpunkt wuchs die Anzahl an Beweisen und wir hatten nicht mehr nur meinen Optimismus und meine zähe Überzeugung, sondern auch die Unterstützung von angesehenen Organisationen und führenden Experten.

 

Die wirklichen Gewinner sind für mich diejenigen die einfach weiter geraucht hätten, wenn Dampfen keine Option gewesen wäre.

 

Schwangere Frauen die sagen, dass sie gerne dampfen, weil die Wolken eher wie Rauchen sind als wenn sie einen Inhalator benutzen würden – wenn das für sie wichtig ist und sie dabei bleiben [beim Dampfen], warum sollen wir dann sagen, dass sie falsch liegen?

 

Jugendliche (die in Großbritannien Dampfgeräte legal nicht kaufen können, aber trotzdem noch rauchen), […] das Dampfen mag ihnen möglicherweise nicht offiziell zur Verfügung stehen, aber ich würde alles tun, um die Zigarette in ihren Händen gegen ein Dampfgerät auszutauschen, damit sie in den kommenden Jahren nicht in der Krebsambulanz landen.

 

Arme Familien, die fast ihr gesamtes verfügbares Einkommen in Tabak steckten, erzählten ihrem Berater für Raucherentwöhnung, dass sie noch nie zuvor eine Zeit gekannt hatten, in der sie am Monatsende noch Geld übrig hatten, weil das Dampfen etwa 10 % von dem kostet, was sie sonst für Zigaretten ausgaben.

 

Was all diese scheinbar unterschiedlichen Gruppen vereint, ist die Freude, die sie am Dampfen haben können, um Nikotin zu bekommen. Es muss nicht schwer oder unangenehm sein. […] Um dies zu erreichen, müssen Aromen zugelassen, Steuern niedrig gehalten werden, und wenn die Verantwortlichen im Gesundheitswesen über irgendetwas nachdenken, sollten sie über die Vorteile nachdenken, nicht über die theoretischen potenziellen Schäden, die sie sich gerne erträumen.

 

[…], ob es sich um Pflaster,  ein Gebet, Tabletten, kalten Entzug, Dampfprodukte, Produkte des unabhängigen Sektors oder der Tabakindustrie handelt. Industrieprodukte, Snus oder  Heat-no-Burn Produkte (Anm.: z. Bsp. IQUOS) – ich bin froh, wenn die Raucherquoten sinken. Aber in meinen Jahren in der Raucherentwöhnung habe ich noch nie ein Produkt gesehen, das das Versprechen und den tatsächlichen Erfolg zeigt, den das Dampfen der Person bringt, die aufgegeben hat aufzuhören.

 

Jeder Raucher hat eine Geschichte zu erzählen. Jeder Raucher, der wechselt, erzählt es mit einer Aufregung, einem Stolz, einer Leidenschaft, einer Mission, die mich jedes Mal demütig macht, wenn ich ihre Geschichte höre.

Ich möchte, dass jeder politische Entscheidungsträger, Wissenschaftler, und Gesetzgeber diese Geschichten hört und sich fragt, ob seine vorsorglichen, selbstgerechten Spekulationen darüber, welche Schäden in den kommenden Jahrzehnten auftreten könnten, ihm das Recht geben Rauchern hier und jetzt das Recht zu verweigern, Nikotin ohne Rauch zu verwenden.

 

Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Den Originaltext in voller Länge kann man auf dem Blog von Clive Bates einsehen. Das Video mit der ganzen Rede gibt es direkt hier:

 

Bis die Tage

Louise Ross-Pragmatismus versus Dogma

Wie nützlich oder unterhaltsam war der Beitrag?

Klick

Wenn dir der Beitrag gefallen hat...

Folge mir doch auf Twitter.

Schade das es dir nicht gefallen hat.

Hilf mir es besser zu machen.

Was ist deiner meinung nach nicht ok an diesem Post?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.