Die Stiftung Warentest rät…

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Die Stiftung Warentest rät…

Gestern (24.06.2020) veröffentlichte die Stiftung Warentest ein Update zu einem einen Artikel mit dem Thema:

Ist Dampfen weniger gefähr­lich als Rauchen?

Um es abzukürzen, JA,JA und nochmals JAAAAAAAA! Diese Suggestivfrage nervt schlicht nur noch. Natürlich ist das Dampfen weniger gefährlich als das Rauchen. Die inflationäre Nutzung dieser Frage ändert nun mal nichts an wissenschaftlichen Fakten.

Normalerweise würde mich so ein Artikel nicht dazu verleiten in einem Blogbeitrag darauf zu reagieren. Allerdings liegt das hier ein wenig anders. Nach dem üblichen Dampfe-Bashing (was genaues weiß man nicht, könnte ja doch schädlich sein, könnte auch am Abschmelzen der Polkappen schuld sein, wer weiß das schon so genau…), folgt ein Absatz in dem die Stiftung Warentest zur Nutzung von NRT´s also Nikotinersatztherapien rät. Die seien durch Studien nachgewiesen erfolgreicher als die Dampfe. Nun kenne ich die Studie, auf die Bezug genommen wurde recht genau und muss sagen so dreist hat sich bis dato noch niemand die Aussagen, die dort getroffen wurden umgemünzt.

“Aktuelle Studien­ergeb­nisse zeigen, dass viele Raucher, die auf E-Ziga­retten umsteigen, zwar vom Glimm­stängel loskommen. Aber sie geraten dafür in eine Abhängig­keit von E-Ziga­retten. Wer wirk­lich seine Nikotinsucht bekämpfen möchte, fährt lang­fristig besser mit einer konventionellen Nikotin­ersatz­therapie. Deren Nutzen ist erwiesen. Sie setzt auf Mittel wie Nikotin-Pflaster, Nikotin-Kaugummis und Verhaltens­therapie.” (Zitat Stiftung Warentest)

Ich will gar nicht darauf eingehen, das aktuelle Forschungsergebnisse, dem Nikotin eine deutlich geringere Suchtwirkung als angenommen attestieren und die Sache mit der Umbenennung des Fagerström Tests erwähne ich auch nicht mehr explizit. Ganz einfach, weil das Dinge sind die hinlänglich bekannt sind, bzw. es sein sollten. Interessant wird es bei der Begründung der Stiftung Warentest:

Eine aktuelle Studie aus Groß­britannien untermauert das (E-Cigarettes Versus Nicotine-Replacement Therapy). Die rund 900 Teilnehmer wurden in zwei Gruppen geteilt: Eine versuchte mittels E-Ziga­retten das Rauchen zu beenden, die andere über eine konventionelle Nikotin­ersatz­therapie. Nach einem Jahr waren 18 Prozent der Teilnehmer in der E-Ziga­retten-Gruppe rauch­abstinent, und nur rund 10 Prozent in der Gruppe mit Nikotin­ersatz­therapie. Allerdings schafften es in der Gruppe der E-Ziga­retten-Nutzer nur 4 von 100 komplett abstinent von Nikotin zu werden. Bei den Personen mit Nikotin­ersatz­therapie erreichten das 8 von 100 Personen – doppelt so viele. Legt man die Sucht­freiheit zugrunde, schneidet also die erprobte Nikotin­ersatz­therapie besser ab.

Schauen wir uns dazu einmal den Hintergrund und das Ergebnis der als Beleg für ihre Behauptung genutzten Studie einmal genauer an.

Hintergrund: “E-Zigaretten werden häufig bei Versuchen verwendet, mit dem Rauchen aufzuhören, es gibt jedoch nur begrenzte Hinweise auf ihre Wirksamkeit im Vergleich zu Nikotinprodukten, die als Behandlungen zur Raucherentwöhnung zugelassen sind.”

Ergebnis: “E-Zigaretten waren für die Raucherentwöhnung wirksamer als die Nikotinersatztherapie, wenn beide Produkte von einer Verhaltensunterstützung begleitet wurden.”

Als Erstes bleibt festzuhalten, das es nicht Ziel der Studie war festzustellen, wer nach einem Jahr noch die ihm zugewiesenen Produkte nutzte, sondern wem es gelang mithilfe der Dampfe oder von NRT´s von der Kippe loszukommen. Das eigentliche Ergebnis liest sich wie folgt:

“Die 1-Jahres-Abstinenzrate betrug 18,0% in der E-Zigaretten-Gruppe im Vergleich zu 9,9% in der Nikotinersatzgruppe. Unter den Teilnehmern mit einjähriger Abstinenz verwendeten diejenigen in der E-Zigaretten-Gruppe nach 52 Wochen häufiger als diejenigen in der Nikotinersatzgruppe das ihr zugewiesene Produkt (80% [63 von 79 Teilnehmern] gegenüber 9% [4 von 44 Teilnehmer]). […] Die E-Zigaretten-Gruppe berichtete über einen stärkeren Rückgang der Husten- und Schleimproduktion als die Nikotinersatzgruppe.”

Konkret bedeutet, dass das ein hoher Prozentsatz der Probanden nach einem Jahr noch die Dampfe nutzte und nur  sehr wenige nach 52 Wochen noch immer Pflaster benutzten oder sich hin und wieder einen Sprühstoß aus dem Inhalator gönnten. Also ich kann das persönlich nachvollziehen. Aber das ändert nichts an der Tatsache, das die Studie nachgewiesen hat das die Dampfe doppelt so erfolgreich abschneidet wie alle anderen Möglichkeiten zusammen!

Außerdem WICHTIG! Nach dem Rechenspiel der Stiftung Warentest (siehe oben) waren 8 von 100 Personen die NRT benutzten Nikotinfrei. Im Umkehrschluss bedeutet, dass das 92 Personen noch immer rauchten, sich also einer erheblich höheren Gefahr aussetzten als Dampfer. Bei denen rauchte ein signifikant höherer Prozentsatz nämlich nicht mehr. Es kommt wie immer im Leben auf den Blickwinkel an.

 

Die Stiftung Warentest führt die eigentliche Aussage der Studie: “E-Zigaretten waren für die Raucherentwöhnung wirksamer als die Nikotinersatztherapie!”  ad absurdum.

Eine “Rückschlussrechnung”, (ich weiß das ist ein erfundenes Wort, genau so erfunden wie das Rechenbeispiel der Stiftung Warentest), hat insofern keine Aussagekraft, als es in der Studie um Rauchstopp und Harm Reduction geht. Es war sicher NICHT die Absicht der Autoren den NRT´s durch die Hintertür sozusagen entgegen ihren Ergebnissen doch eine höhere Wirksamkeit zu attestieren.

 

Bis die Tage

 

 

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