Eine wirklich ganz persönliche Einschätzung…

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Eine wirklich ganz persönliche Einschätzung…oder über die Gründe von Politikverdrossenheit.

 

 

Politikverdrossenheit, so meint zumindest der Duden, ist durch politische Skandale, zweifelhafte Vorkommnisse o. Ä. hervorgerufene Verdrossenheit gegenüber Politik im Allgemeinen. So die höflich verwertbare Version. Ich sage lieber “Leck mich am Arsch und macht euren Scheiß doch allein”  Einstellung dazu. Und ganz ehrlich nach der gestrigen Anhörung im Bundestagsausschuss zum Thema Tabakwerbung kann ich derartige Haltungen immer besser nachvollziehen.


 

 

Die unsägliche Diskussion zum selbst anschauen…


 

Mal ehrlich, man kommt sich schon ein Stück weit verarscht vor, wenn eine Anhörung, die das Tabakwerbeverbot zum Thema hat zu einer “Bashingveranstaltung” verkommt,  in der es hauptsächlich darum ging Falschinformationen und Horrorszenarien über das Dampfen ans Fußvolk zu senden…

Gut wer bei einer Anhörung von Fachleuten in Bundestagsausschüssen im allgemeinen neutrale und der Sache dienliche Informationen erwartet ist eh mit dem Klammerbeutel gepudert. NATÜRLICH werden dort nur die Fachleute geladen die im Wesentlichen die Grundeinstellungen der jeweils ladenden Fraktionen zum Thema stützen. Das ist genauso öde wie üblich. Ein Schaulaufen der Lobbyisten eben. Oder hat jemals eine Anhörung tatsächlich grundlegende Veränderungen in den bereits vorgefertigten Meinungen der entsprechenden Regierungsparteien/-fraktionen bewirkt? Irgendwann? Ich glaube nicht!

Was allerdings gestern stattgefunden hat, war unterirdisch um nicht zu sagen Politiktheater der übelsten Sorte. Es ging im Wesentlichen gar nicht um das Tabakwerbeverbot, über dessen Sinnhaftigkeit sich letztlich alle einig waren und das schon im Vorfeld. Es gab nur noch um marginale Uneinigkeiten für die eine “Experten”-Anhörung wohl nicht wirklich nötig gewesen wäre. Aber hey, jede Bühne ist eine Bühne also nutze sie, so dachten zumindest die teilnehmenden Akteure. Nachdem alle sich noch einmal nachdrücklich versichert hatten wie schön und wie toll das Tabakwerbeverbot sei und die CDU-CSU Fraktion trotz ihrer jahrelangen Blockadehaltung eben gegen jenes Verbot auch hier wieder einmal so tat als habe sie das Rad neu erfunden, ging es zum eigentlichen Thema und ich rieb mir verwundert die Augen.

Fast schien es so als wären sogar die Fragen an die Experten innerhalb der Fraktionen im Vorfeld abgesprochen so perfekt ergänzten sich die Wiederholung unbegründeter Ressentiments, Legenden, Lügen und bewusster Verzerrungen der Tatsachen schon in den Fragestellungen. Man erwartet eigentlich schon fast den Mob mit Fackeln und Mistgabeln in den Saal stürmend und “Nieder mit der Dampfe” skandierend.

Die wenigen Aussagen die man vorsichtig als Neutral und der Dampfe zugewandt hätte interpretieren können wurden von der schieren Masse der CONTRA Fraktion faktisch plattgemacht, bzw. die dazugehörigen Experten wurden schlicht von den einzelnen Akteuren nicht mehr befragt.

Und so reihten sie sich wieder auf, die alten längst widerlegten angeblichen Tatsachen und man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren das es lediglich darum ging die gleichzeitig noch einmal angekündigte Entschließung gegen Aromen vorzugehen bestmöglich zu stützen. Aus der Mottenkiste der Argumente wurde wieder ans Licht gehoben:

  • die Pandemie unter Kindern und Jugendlichen
  • die angeblich noch immer nicht geklärte Ursache für das EVALI Geschehen in den USA
  • die latent Drogengefährdeten Dampfer, die sich alles Mögliche in ihre Liquids mischen (können)
  • Formaldehyd, Acrolein und Schwermetalle (besser man sagt nix zur Menge, sonst wäre es ja lächerlich)
  • usw.

Ich will gar nicht alles aufzählen, irgendwie ist mir meine Zeit viel zu schade dafür. Gut kaum jemand hat diese “Informationsveranstaltung” tatsächlich gesehen. Der einzig tröstliche Umstand, also das Wissen darum, das viele Menschen ihre Lebenszeit nicht derartig sinnfrei vergeudet haben. Aber leider wird die Presse das genüsslich in die breite Masse tragen, leider.

 

 

Update

Na mal sehen, wie es weitergeht, der BVTE hat ein Rechtsgutachten erstellen lassen das unter anderem im Werbeverbot für Dampfen einen Verfassungsbruch sieht. Zumindest eine sehr interessante Entwicklung. Siehe hier!

 

 

Die wenigen guten und vor allem sachlich, wissenschaftlich fundierten Aussagen von Storck und Mons werden es aber wohl kaum auf die Titelseiten schaffen. Dafür aber die vorgeschobene Sorge der Regierungs- und Nichtregierungsfraktionen um die Gesundheit der Bürger, die ihnen eigentlich scheißegal ist. Ansonsten wäre es längst Zeit sich den aktuellen Forschungsergebnissen und Harm Reduction basierter Betrachtungen entsprechend aufzustellen. Das aber bleibt nur ein frommer Wunsch.

Ich bin manchmal so müde…. und politikverdrossen!

Bis die Tage

 

 

zum Thema auf Bundestag.de

Apropos mögliches Aromenverbot:

Eine wirklich ganz persönliche Einschätzung…

 

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8 thoughts on “Eine wirklich ganz persönliche Einschätzung…

  1. Vieleicht sollte man mal erwähnen, dass wir in Deutschland, über den Daumen, ca. 3 Millionen Dampfer sind…und damit auch 3 Millionen WÄHLER.
    3 MILLIONEN >>>sehr böse<<< WÄHLER können etwas bewegen.

    Liebe Politiker…erst Hirn einschalten… die nächste Wahl ist näher als man denkt.

    1. Das ist richtig. Das Problem ist das “die Dampfer” hätten schon so viel bewegen können, haben es aber nicht getan. Nicht, weil sie nicht wollten. Das ist nicht das Problem. Sondern weil sie (und dafür werde ich wahrscheinlich gesteinigt) ihre Energie auf Nebenkriegsschauplätzen und bei sinnfreien Scharmützeln vergeuden. Eine geeint auftretende Gemeinschaft von Dampfern sehe ich einfach nicht. So traurig ich das persönlich auch finde, aber das ist mein Fazit nach 10 Jahren in der Community.

  2. Ich nehme es eher persönlich und nenne es daher lieber PolitikERverdrossenheit.

    Die Damen und Herren Kümmerlinge*, die da in dämlicher und selbstherrlicher Überheblichkeit ihre quasi-religiöse Scheinheiligkeit feiern, sind keine Volksvertreter, sondern Volkszertreter. Ausnahmen bestätigen die Regel, haben in dieser Regel aber nichts zu melden. Es sollten den Zertretern der sogenannten “Volksparteien” zu denken geben, wenn ausgerechnet der Vertreter der AfD (einer Partei, der ich ansonsten wirklich sehr fern stehe) vernünftigere und objektivere Fragen stellte als sie. Von Herrn Hocker (FDP) ist bereits bekannt, dass er wirklich informiert ist und nicht versucht, andere zu ihrem vermeintlichen “Glück” zu zwingen.

    Wenn die “Expertin für Menschenrechte” aus ihrem Elfenbeinturm doziert, dann frage ich mich unwillkürlich: “Sind Raucher und Dampfer denn für sie keine Menschen? Haben wir nicht auch ein Recht auf Selbstbestimmung? Oder sind wir in ihren Augen nur dumme Untermenschen, die nicht wissen, was Gut für uns ist?”

    Und dann wundern die selbstgerechten Sesselpupser noch, wenn ihnen die Wähler wegbrechen, weil sie die Schnauze gestrichen voll haben von den bovinen Exkrementen, mit denen sie abgespeist werden sollen?

    Denkt dran:
    Ich dampfe, ich wähle!

    * http://ig-ed.org/2017/09/der-kuemmerling/

    1. Stimmt wohl, aber mal ehrlich AfD ist nur dafür, weil alle anderen dagegen sind. Das ist reflexhaftes “dagegen halten”. Irgendwie, so finde ich, ist die Meinung der FDP gestern untergegangen. Was ich sehr schade finde. Die Einstellung von Herrn Hocker gefällt mir nämlich ausgesprochen gut. (zum Glück, dadurch gibt es eine Wahlalternative ^^)

      1. Genau. Was ich sonst aus der AfD-Ecke höre, ist normalerweise dazu geeignet, mir ein Schleudertrauma durch Kopfschütteln zu verursachen. Umso bedenklicher, wenn ausgerechnet das rationaler erscheint als das meiste, was sonst dort zu hören war.

        Die FDP war nicht immer eine Stimme der Vernunft beim Thema Dampfen im Bundestag.

        Vor einer Weile hatten die Linken dabei einen klaren Kopf und sogar Prof. Mayer als Experte eingeladen. Inzwischen haben bei denen offenbar auch die fanatischen Menschenverbesserer das Ruder übernommen.

        Ich kann den ganzen Politzirkus nur noch mit Galgenhumor und einer satirischen Brille ertragen.

  3. Es wird Zeit das die big player in dieser Sache mal aufwachen und sich bekennen… Ich nehme mal BAT. BAT ist in einem unserer Verbände und auch im BVTE. Sollte man mal nicht prüfen ob gegen diese Märchen die diese Fachleute von sich geben gerichtlich vorgegangen werden kann. Unabhängige wissenschaftliche Studien pro Dampfen gibt es und diese sollten die Grundlage für alle Entscheidungen sein

  4. Reine Schaupolitik, aber außer uns hat das doch niemand wargenommen. Davon abgesehen sollte uns als Nutzer das Werbeverbot doch Bamboocha sein. Zum einen wars 30 Jahre überfällig, zum anderen wurde dem geringeren Schadenspotential bei E-Zigs Rechnung getragen. (Ohne diese Übergangsfristen würde es wirklich beim BVerfG zerrissen.)
    Schöner als ein Komplettverbot wäre natürlich ein absurd kleines Limit für Werbeausgaben gewesen. Also z.B. 20k€ max pro Unternehmen, so als fette Ohrfeige für die Tobakkonzerne und realistische Besserstellung der kleinen Liquidmittelständler. Aber das ist natürlich weder verfassungstechnisch drin, noch sinnvoll, wenn man mal bei den Kleinunternehmen nach Selbstregulierung oder guten Vorbildern schaut.

    Klar wars ein Probelauf für die kommenden Prohibitionsrunden und unbequeme Experten werden schonmal vorsortiert. Ludwigs` Verbotsträume stehen ja auf wackeligen Füßen wenn mans allein mit den US-Zahlen begründen will (und die eingebrochenen Raucherzahlen verschweigen muss). Auch die Argumente von MdB Spiering (“Liqideinmischungen”) gehen schnell nach hinten los, sobald da jemand Schwarzmarkt sagt.
    Nach meinem Eindruck hat sich Dr. Helbig in der Runde mit den althergebrachten Einwürfen (Formaldehyd-Tsunami, Nikotin ist der einzige Suchtstoff in Tabak) etwas lächerlich gemacht. Aber es ist natürlich nicht ihr Auftrag objektiv zu sein.

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