Meinung und Studie – eine Übersicht

Meinung und Studie – eine Übersicht

7. Juli 2020 3 Von Matthias Jung
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Meinung und Studie – eine Übersicht

 

Immer wieder fliegen uns die kruden Theorien von Politikern, irgendwelchen geldgeilen Pharmalobbyisten oder auch vom Dunning-Kruger Effekt gebeutelten Zeitgenossen um die Ohren. Deswegen aus aktuellem Anlass eine Gegenüberstellung von Meinung und Studie.


 


Daniela Ludwig in einem Welt-Interview vom 23.12.2019

“Aber wir sehen, dass die Firmen ganz klar den jugendlichen Nichtraucher in den Blick genommen haben. Ginge es nur um die älteren Raucher, die zum Umstieg bewegt werden sollen, könnte man da anders drüber reden. Aber nein, es geht um die Jugendlichen, die Werbung hat keinerlei aufklärerische Wirkung. Die E-Zigarette entwickelt sich zu einem neuen Einstiegsprodukt. Deshalb sollten wir die Werbung für dieses Produkt deutlich früher verbieten.”

Das renommierte IFT-München (Institut für Therapieforschung) ist da komplett anderer Meinung, so sagt deren Veröffentlichung aus dem Jahr 2017 aus, dass das durchschnittliche Alter beim Beginn der E-Zigarettennutzung bei etwa 31 Jahren liegt. Nur 0,9 Prozent der Jugendlichen benutzen E-Zigaretten. 90 % der Dampfer sind Umsteiger, haben also vorher geraucht. Die Zahlen belegen eindeutig, dass die Bundesdrogenbeauftragte mal wieder gehörig falsch lag.

Quelle: IFT-Länderbericht

Quelle: repräsentative Umfrage des BfR

 


Dr. Ulrike Dorothea Helbig-Schuster, Sachverständige der deutschen Krebshilfe auf der Anhörung zur Erweiterung des Tabakwerbeverbotes am 29.06.2020

“…das es diverse toxische Substanzen in der E-Zigarette gibt. Von kanzerogenen Stoffen wie Formaldehyd, genauso wie Schwermetalle die eben auch krebserregend sind […] Blei und Nickel die bei Inhalation krebserregend sind.”

Wenn in den Argumentationen des DKFZ, der deutschen Krebshilfe und anderer dem Zuhörer die Schwermetalle und toxische Substanzen förmlich um die Ohren gehauen werden, hat das im Allgemeinen nur einen Zweck. KREBS-Angst schüren! Unterschwellig wird suggeriert, dass ein ggf. vorhandenes Krebsrisiko ähnlich dem der Tabakzigarette vorhanden sei. Dem ist natürlich nicht so, weswegen man meist tunlichst darauf verzichtet, dies als Behauptung klar zu formulieren. Nebulös und schwammig soll der Zuhörer/Leser von allein “draufkommen”. Aber ist an diesen mit Absicht geschürten Ängsten überhaupt etwas dran? Geht es nach wissenschaftlichen Erkenntnissen, eher NICHT. Tatsächlich liegt das Risiko für E-Zigarettennutzer  an Krebs zu erkranken gegenüber Tabakzigaretten Nutzern bei  <1 %. Einer Größenordnung welche die Benutzung von 1x kanzerogen 2x krebserregend und 1x toxisch in nur 2 Sätzen wohl kaum rechtfertigt.

Quelle: Comparing the cancer potencies of emission….William E. Stephens et. al.


Alle, also wirklich alle unisono: Es fehlen Studien und Langzeitstudien…das dampfen ist so neu das man keine Aussagen treffen kann…über das Schädlichkeitspotential kann keine Aussage getroffen werden, es gibt keine Studien…mimimi

Für diese Aussage einzelne Personen zu benennen ist genauso zeitraubend wie unnütz, denn das ist das Totschlagargument aller E-Zigarettengegner. Aber ist es deswegen auch wahr? Natürlich nicht! Gedampft wird in größerem Umfang seit ca. 12 Jahren, also nicht erst seit gestern. Studien gibt es zuhauf. Die Studien, die in ihrem Ergebnis meist im Konjunktiv Gefahren proklamieren sind zumeist Metastudien, also bessere Zusammenfassungen, deren Ausgangsmaterial durchaus willkürlich ausgewählt werden kann. Bezeichnend ist das genau die, die auf fehlende Studien verweisen fast ausschließlich mit Metastudien argumentieren. Wenn es keine Studien gibt, woher kommen dann META-Studien? Basieren die nicht im Regelfall auf bereits vorhandenem Material?

Eine weitere Problematik, die man gerne unter den Tisch fallen lässt, ist folgende. Man benötigt für eine Langzeitstudie natürlich Probanden, die vorher nicht geraucht haben, schon um Folgeerkrankungen des herkömmlichen Rauchens auszuschließen. Sieht man sich die  aktuellen Erhebungen an, wird recht schnell klar, woran es krankt. An fehlenden Probanden. Es gibt schlicht nur sehr wenige Menschen die dampfen, ohne vorher geraucht zu haben. Man kann nun schlecht Menschen zwingen für so eine Studie mit dem Dampfen zu beginnen, also rein ethisch betrachtet. Langzeitstudien wie die geforderten wird es also eher nicht geben. Das wiederum bedeutet nicht das es gar keine gibt.

So begleitete Prof. Dr. Polosa bereits in den Jahren 2013-2017 sechzehn Dampfer die vorher Nichtraucher waren über einen Zeitraum von 3,5 Jahren mit dem Ergebnis das sich bei keinem der Probanden Veränderungen in den Atemorganen fanden, auch eine Veränderung oder Erkrankung des kardiovaskulären Systems konnte nicht festgestellt werden. Blutdruck und Herzfrequenz änderten sich langfristig nicht.

Quelle: Prof. Dr. Polosa et.al. / Health impact of E-cigarettes: A prospective 3.5-year study


Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V.  in einer Pressemitteilung

“E-Zigaretten sind für Menschen, die ganz mit dem Rauchen aufhören wollen, kein geeignetes Hilfsmittel.”

Die Aussage ist Unsinn. Tatsächlich ist die Erfolgsquote mindestens doppelt so hoch wie die der anderen Nikotinersatztherapien zusammen!  Mehr ist dazu nicht zu sagen. Das Argument, dass E-Zigarettennutzer ggf. bei der Dampfe bleiben verfängt im Sinne der Harm Reduction auch nicht. Denn die Reduktion der Giftlast und Risiken gegenüber der Zigarette ist signifikant und damit empfehlenswert. Gleiches gilt für Dual User. Das solche Aussagen gerade von einer Gesellschaft für Pneumologie kommen ist schwer nachzuvollziehen. Senkt doch der Umstieg auf das Dampfen das Lungenkrebsrisiko ebenso wie die Auswirkungen bereits vorhandener COPD-Erkrankungen, sollte also gerade im Sinne dieses Vereins sein.

Quelle: Peter Hajek Ph.D. et. al.  / A Randomized Trial of E-Cigarettes versus Nicotine-Replacement Therapy

Quelle: A. Hébert-Losier et.al. / A RandomizedControlled Trial Evaluating the Efficacy of E-Cigarette …

Quelle: Polosa et.al / Effect of Smoking Abstinence and Reduction in Asthmatic Smokers…

 


Das könnte man endlos fortsetzen. Meinung und Tatsache stehen also nachweislich in einem krassen Gegensatz. Ein Gegensatz der auf lange Sicht Menschen tötet. Anders kann man das nicht ausdrücken. Wirtschaftliche Interessen, festgefahrene überholte Moralvorstellungen und Eitelkeiten über Leben. Ziemlich fragwürdige Einstellungen.

 

Bis die Tage

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