Armes Nagetier oder von der gedämpften Maus ☠️

Armes Nagetier oder von der gedämpften Maus ☠️

22. Juli 2020 0 Von Matthias Jung
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Armes Nagetier oder von der gedämpften Maus ☠️

 

Naturgemäß schaue ich mir nahezu täglich an was an neuen Studien zum Thema Dampfen auf “den Markt” kommt. Schließlich muss man ja up to date bleiben. So auch gestern. Folgende Überschrift einer druckfrischen Studie prangte mir entgegen:

The JUUL E-Cigarette Elevates the Risk of Thrombosis and Potentiates Platelet Activation

Die JUUL E-Zigarette erhöht das Thromboserisiko und potenziert die Thrombozytenaktivierung

 

DOI: 10.1177/1074248420941681 So weit, so unspektakulär. Zumindest bis ich bei den Methoden angekommen war.

 

“Wir verwendeten ein passives E-Vape-Dampfinhalationssystem, bei dem Mäuse (10-12 Wochen alt) JUUL-E-Zigaretten-Dampf ausgesetzt wurden. JUUL-Cartridges mit Mentholgeschmack, die 5 Gew .-% Nikotin enthielten, wurden als E-Flüssigkeit verwendet. Die Mäuse wurden 2 Wochen lang täglich insgesamt 70 Zügen ausgesetzt […]”

Immer wieder liest man das diese oder jene Studie an Mäusen irgendwelche Ergebnisse gebracht hat, die dann ganz nonchalant auf den Menschen übertragen werden. Was ja in jedem Fall nachzuvollziehen ist. Täglich treffe ich auf der Straße eine süße dampfende Maus, nicht die Uschi von nebenan, nein Mus musculus domesticus die gemeine Hausmaus. (Gut zugegeben das passiert, nur wenn ich zu viel Brokkoli hatte.) Spaß beiseite.

Kann man “Mäusestudien” auf den Menschen übertragen?

Nein kann man nicht. Bereits seit einer Studie aus dem Jahr 2013 ist klar, dass das allgemein eher schwierig und insbesondere bei entzündlichen Prozessen aller Art nicht möglich ist.

“Wir waren überrascht über die schwache Korrelation zwischen den genomischen Reaktionen in den Mausmodellen und jenen Reaktionen bei menschlichen Verletzungen, insbesondere angesichts des weltweit üblichen Gebrauchs von Mäusen als Modellen für menschliche Entzündungen […] Man muss neue Ansätze erforschen, um die Möglichkeiten zum Erforschen menschlicher Erkrankungen zu verbessern.”

Grob vereinfacht kann man sagen das sich Mäuse eher nicht als Studien- und Vergleichsobjekte eignen, da sie teilweise grundlegend anders reagieren als der Mensch. Während sich die Reaktionen bei Menschen unter den gleichen Bedingungen und Ursachen sehr stark ähneln, unterscheiden sich die von Mäusen schon stark innerhalb verschiedener Stämme. Partiell lassen sich so gesehen Ergebnisse nicht mal von Maus auf Maus übertragen, wie dann von Maus zu Mensch? Seit Erscheinen der Studie diskutiert man ob Tierversuche sich überhaupt eignen, um sich auf den Menschen übertragen zu lassen. Immerhin sind die Abläufe im  menschliche Organismus sehr komplex und lassen sich eher schlecht im Tierversuch nachbilden, besonders im Hinblick auf verwertbare Ergebnisse.

Außerdem können Versuche mit unterschiedlichen Rassen so stark voneinander abweichen, so das die Ergebnisse letztlich konträr sind. Ein gutes Beispiel dafür ist Penicillin. Hätte man das damals an Meerschweinchen getestet und nicht an Mäusen, hätten wir ein Problem. Auf Meerschweinchen wirkt Penicillin toxisch, auf Mäuse nicht. Selbst Versuche an Ratten und Mäusen können komplett gegensätzlich ausgehen. Die Zuverlässigkeit von Tierversuchen allgemein ist damit zumindest schwer infrage gestellt.

“Mice tell lies! (Mäuse erzählen Lügen)”- ist eine übliche und oft genutzte Phrase unter Wissenschaftlern. Warum werden dann aber immer noch so häufig Studien an Mäusen durchgeführt und deren Ergebnisse auf den Menschen übertragen, obwohl die Wissenschaft sich durchaus bewusst ist das Mäuse lausige Versuchsobjekte sind?

Das ist relativ einfach zu beantworten. Im Prinzip ist die gesamte “Versuchs- und Studienindustrie” auf Mäuse abgestellt. Billig, leicht zu händeln und heutzutage in fast allen benötigten genetischen Varianten verfügbar. Das “Mausmodell” ist derartig verbreitet und etabliert (auch in einer regelrechten Zuchtindustrie rundherum), das es schon fast einem Sakrileg gleichkommt, daran zu rütteln.

Obwohl längst bekannt ist das Maus und Mensch sich auf zellulärer Ebene in großen Teilen unterscheiden (auch wenn ihr Genom zu 98 % übereinstimmt), hält man an diesem Modell fest.

Gerade für Studien über die eine oder andere vermutete Schädlichkeit des Dampfens müssen immer wieder Mäuse herhalten und das trotz des Wissens darum das die Ergebnisse nicht wirklich übertragbar sind. Das wird zwar in den betreffenden Studien auch teilweise kommuniziert, kommt aber in der Öffentlichkeit NIE an. Dafür sorgt die Presse die derartige Ergebnisse so oder so zu 100 % auf den Menschen überträgt und sie im schlechtesten Fall noch tragischer darstellt als sie eigentlich sind.

Beschäftigt man sich etwas eingehender mit der Versuchstierproblematik, bleibt einem zum Schluss die Erkenntnis, dass “Mäusestudien” in Bezug auf entzündliche Prozesse beim Menschen wertlos sind. Diese machen ja den Hauptanteil der vermuteten Auswirkungen aus.(Unterstellte entzündliche Reaktion in Lunge, Bronchien und anderen Organen etc.)

In Bezug auf andere vermutete medizinische Probleme sind sie zumindest fragwürdig.

 

Bis die Tage

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