Covid-19 und Dampfen oder wie Studien funktionieren

4.7
(19)

Covid-19 und Dampfen oder wie Studien funktionieren

Foto von cottonbro von Pexels

 

DW titelte gestern:

E-Zigaretten-Dampfen erhöht das Corona-Risiko erheblich

 

 

und bezog sich dabei auf die am 11.08.2020 veröffentlichte “Studie” der Stanford School of Medicine mit dem Titel:

Association Between Youth Smoking, Electronic Cigarette Use, and Coronavirus Disease 2019

DW fasst die Ergebnisse der “Studie” wie folgt zusammen:

Teenager und junge Erwachsene, die regelmäßig E-Zigaretten dampfen, erkranken entscheidend häufiger und schwerer an COVID-19 als ihre gleichaltrigen Nichtraucher.

Schaut man sich die Erhebungen der Stanford School of Medicine etwas genauer an, wird schnell klar, ganz so einfach ist es nicht.

Die Wissenschaftler werteten Daten von 4351 Teilnehmern zwischen 13 und 24 Jahren aus.

Die Teilnehmer wurden online gefragt, ob sie COVID-19 Symptome hatten, sich einem Test unterzogen oder eine positive Diagnose auf das SARS-CoV-2 Virus erhalten hatten. Eine Überprüfung der Angaben fand logischerweise wie bei allen Online Umfragen nicht statt. Damit stehen alle Aussagen, die in der “Studie” getroffen wurden von Grund auf im Verdacht eher Annahmen zu sein. Gerade bei einem Thema wie Covid-19 wäre es um eine Aussage wie die obige zu treffen, wahrscheinlich sinnvoller gewesen die Befragung an Patienten durchzuführen deren Erkrankung klinisch belegt gewesen wäre. Nun gut das Leben ist kein Wunschkonzert.

Allerdings flossen in die Umfrage derartig viele Faktoren ein, das ein konkreter Schluss wie er in der “Studie” gezogen wurde, gar nicht möglich scheint. Außerdem wurde noch folgende erstaunliche Aussage getroffen:

Angesichts des überwiegenden Konsums von E-Zigaretten bei Jugendlichen in den USA weist unsere Untersuchung auf Bedenken der öffentlichen Gesundheit hin, dass die anhaltende E-Zigaretten-Epidemie bei Jugendlichen zur aktuellen COVID-19-Pandemie beiträgt.

Soll heißen eine nicht existierende Epidemie (Juulen) ist verantwortlich für eine tatsächlich anhaltende Pandemie (Covid-19). Allein dieser Satz lässt eher darauf schließen, dass die veröffentlichten Ergebnisse eher politisch als tatsächlich gesundheitlich motiviert sind. Der offensichtlichen Motivation entsprechend wird folgende Empfehlung ausgesprochen:

Eltern, Schulen und Organisationen in der Gemeinde sollen Jugendlichen dabei helfen, mehr darüber zu erfahren, wie sich E-Zigaretten und Dual Use auf die Atemwege und das Immunsystem auswirken. Für die FDA ist es ratsam E-Zigaretten während der COVID-19-Pandemie wirksam zu regulierenund die Entwicklung und Verbreitung jugendorientierter COVID-19-Präventionsnachrichten, die E-Zigaretten und Dual Use umfassen zu beginnen.

Lässt die Umfrage aber eigentlich den veröffentlichten Schluss zu? Eher nicht. So wurde unter anderem vollkommen außer Betracht gelassen das gerade unter Jugendlichen das “teilen” von Geräten durchaus üblich ist. Auf diesem Wege ist die Weitergabe einen ggf. vorhandenen Viruserkrankung natürlich ein leichtes. In diesem speziellen Fall wäre eine Infektion nicht durch das eigentliche dampfen begünstigt, sondern durch den sozialen Umgang mit dem Gerät. Durch die Vielzahl der gestellten Fragen ergaben sich aber derartig viele Querverbindungen (auch äußerst fragwürdige) so das ein direkter Rückschluss kaum möglich erscheint. So ergaben sich folgende Assoziationen (Originalzitate):

  • Dass einige rassische / ethnische Gruppen, insbesondere unter Afroamerikanern, Hispanoamerikanern und Jugendlichen mit mehreren Rassen, einem höheren Risiko für COVID-19 ausgesetzt sind…
  • Sowohl Fettleibigkeit als auch Untergewicht waren mit COVID-19-Ergebnissen verbunden. Obwohl zu diesem Zeitpunkt Fettleibigkeit ein bekannter Risikofaktor für COVID-19 ist, Untergewicht wirkt sich auch auf die Lungenfunktion aus…
  • Wir fanden auch heraus, dass  ein anderes / nicht-binäres Geschlecht mit COVID-19-Tests und -Diagnosen assoziiert war…
  • Die signifikante Beziehung zwischen der Ausbildung der Mutter und einer positiven COVID-19-Diagnose muss weiter untersucht werden…
  • COVID-19 breitet sich durch wiederholtes Berühren der Hände mit Mund und Gesicht aus, was bei Zigaretten- und E-Zigaretten-Nutzern üblich ist…

Anhand der erhobenen Fragen und der daraus resultierenden prozentualen Zuteilung an Covid-19 Diagnosen kann jeder selbst nachlesen, was ich meine, wenn ich von einer Vielzahl von möglichen Assoziationen spreche. Einige scheinen tatsächlich Relevanz zu haben. Der letzte Punkt ist unbestritten und für mich der mögliche Hauptfaktor für eine Infektion. Des Weiteren ist es durchaus möglich das Ethnie eine Rolle spielt bedingt durch das verschiedene soziale Miteinander. Ebenso scheint es möglich das Fettleibigkeit sowie Untergewicht wesentlich sind, bedingt durch den direkten Einfluss auf das Immunsystem. Merkwürdiger wird es allerdings bei dem angenommenen Zusammenhang zwischen nicht binärem Geschlecht, der Ausbildung der Mutter und einer Covid-19 Infektion. Der oben verlinkten Tabelle zufolge wäre das Risiko für einen Hispano-Amerikaner mit Untergewicht, binärem Geschlecht und einer Mutter die ihre Ausbildung abgebrochen hat, das Risiko an Covid-19 zu erkranken um einiges höher als bei einem Dampfer… Der ironisch gemeinte Satz macht das Dilemma dieser “Möchtegern-Studie” deutlich. Durch die Vielzahl an möglichen Assoziationen ist es kaum mehr möglich direkte Rückschlüsse zu ziehen. So sehe ich das zumindest persönlich. Des Weiteren bestehen wie gesagt durchaus berechtigte Zweifel an der Solidität der gemeldeten Daten. Dazu meint Dr. Farsalinos:

 

Schaut man sich die Ergebnisse noch etwas genauer an, bemerkt man recht schnell das das Ergebnis der Umfrage, nämlich der angebliche Zusammenhang zwischen dem Dampfen und Covid-19, konstruiert ist. Tatsächlich sind die Zahlen vollkommen widersprüchlich und lassen sich mit der Grundaussage der Online-Befragung nicht plausibel in Einklang bringen (gelegentliches früheres Dampfen riskanter in Bezug auf Covid-19 als aktuelles regelmäßiges Dampfen usw.) Diese  speziellen Zahlen ergeben nur einen plausiblen Zusammenhang, und zwar die schon länger vermutete Schutzwirkung von Nikotin – gelegentliches  früheres Dampfen=keine oder wenig Nikotinaufnahme=höheres Risiko und regelmäßiges Dampfen=regelmäßige Nikotinaufnahme=geringeres Risiko).

Im Übrigen entspricht der prozentuale Anteil positiver Covid-19 Tests bei Dampfern denen von nicht-Dampfern. Damit ist die Grundaussage des Pamphlets eh schon widerlegt. Deswegen, ein Paradebeispiel für Junk Science!

Es drängt sich der Eindruck auf, das dieses Machwerk ein von Aktivisten geschnürtes Wunschpaket ist, das in der realen Welt kaum Bestand haben sollte. Da Realitäten aber selten in der Presse ihren Niederschlag finden, ist der Schaden angerichtet und die “Studie” wird in den nächsten Wochen wieder einmal für ausgiebiges “Dampfbashing” sorgen.

UPDATE:

Die ersten negativen Reaktionen zur Veröffentlichung gibt es auch schon:

American Vaping Association

Prof. Dr. Bernhard Mayer

UPDATE 14.08.2020

Erwartungsgemäß stürzt sich die Presse geradezu vorhersehbar auf diese “Studie”. Stern titelt:

Studie: E-Zigaretten erhöhen Wahrscheinlichkeit von Covid-19-Symptomen

Wieder einmal beweisen deutsche Pressevertreter das nahezu alles ungeprüft und ungefiltert in die deutsche Medienlandschaft geblasen wird. Nicht umsonst habe ich den Begriff Studie im Artikel entweder in Anführungszeichen gesetzt oder sie als Online-Befragung oder Möchtegern-Studie bezeichnet, denn mehr ist sie nicht. EINE ANONYME ONLINE-BEFRAGUNG mit widersprüchlichen Ergebnissen. Schade das die deutsche Presse sich nicht mit gleicher Energie auf ECHTE Studien zum Thema stürzt. Gern auch FÜR und WIDER. Aber diese selektive Auswahl von Negativ Ergebnissen die tatsächlich einem Peer Review (das den Namen auch verdient) nicht eine Minute standhalten würde, ist einfach nicht akzeptabel.

UPDATE 19.08.2020

Zuviel Brokkoli gegessen?

 

Bis die Tage

Covid-19 und Dampfen oder wie Studien funktionieren

 

 

Wie nützlich oder unterhaltsam war der Beitrag?

Klick

Wenn dir der Beitrag gefallen hat...

Folge mir doch auf Twitter.

Schade das es dir nicht gefallen hat.

Hilf mir es besser zu machen.

Was ist deiner meinung nach nicht ok an diesem Post?

One thought on “Covid-19 und Dampfen oder wie Studien funktionieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.