BfR in Concert(ierter Aktion)?

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BfR in Concert(ierter Aktion)?

Foto von Chokniti Khongchum von Pexels

 

Bevor die “Ritter der Rechtschreibung” wieder zuschlagen und meinen mitteilen zu müssen das konzertiert mit K geschrieben wird nur weil sie den Wortwitz nicht verstanden haben…..

Aber halt, darum soll es ja gar nicht gehen. Ich hatte vor kurzer Zeit mehr oder weniger dezent darauf hingewiesen das in letzter Zeit immer wieder mal die Themen EVALI  und die Möglichkeit des selber Mischens von Liquid unsachlich vermengt von verschiedenen Leuten ins Gespräch gebracht wurden und werden, um nach Möglichkeit ein Verbot desselben zu erreichen, zumindest in der Endkonsequenz. Manch einer mag da den Kopf geschüttelt haben. Trotzdem scheint es als bestätige das BfR durch eine seiner letzten Presseinformationen unter anderem genau diese Theorie.

Wie gefährlich sind E-Liquids auf dem deutschen Markt?

31/2020, 28.09.2020

Nach Todesfällen in USA: BfR und Untersuchungsämter testen Inhaltsstoffe elektronischer Zigaretten auf riskante Vitamin-E-Verbindung (Quelle)

Auf der eigenen Webseite des BfR ist diese Presseinformation verschlagwortet unter “Produktsicherheit” und “E-Zigarette”. Das BfR äußert sich selbst zum Grund der Untersuchung wie folgt:

“Öliges Vitamin-E-Acetat wird verdächtigt, die Lungenschäden auszulösen. Es wurde der zu verdampfenden Flüssigkeit („E-Liquid“) beigemischt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat nun gemeinsam mit den Chemischen und Veterinäruntersuchungsämtern (CVUAs) Karlsruhe und Sigmaringen eine Stichprobe von 57 E-Liquids vom deutschen Markt und aus internationalen Onlineshops auf Vitamin-E-Acetat und weitere Verbindungen überprüft.”

Stutzig wird man dann schon eher bei der Formulierung “…und aus internationalen Online-Shops…” Wie relevant können Marktteilnehmer sein, auf die die deutsche Jurisdiktion keinen Einfluss hat? Besonders da die Aufgabe des BfR doch eigentlich sein sollte die Produktsicherheit der auf dem deutschen Markt erhältlichen Artikel einzuschätzen. Da man mittlerweile Online alles, also wirklich alles ordern kann, wäre die Bewertung der Sicherheit für alle online erhältlichen “Produkte” eine Aufgabe die niemand leisten kann. Egal! Denn das Ergebnis lautet:

“Nur in einem Produkt fanden sich sehr geringe Mengen an Vitamin-E-Acetat, von denen keine gesundheitlichen Auswirkungen zu erwarten sind. Dieses Resultat spricht dafür, dass von E-Liquids, die deutschen Regelungen entsprechen, keine Gefahr durch Vitamin-E-Acetat ausgeht“

Das war ja vollkommen unerwartet 😲…, besonders in Anbetracht der Tatsache das “die deutschen Regelungen” Vitamin E-Acetat als Zusatz verbieten. Ergo kann von Liquids die diesen Regelungen entsprechen keine Gefahr ausgehen. Das sollte schon im Vorfeld klar gewesen sein. Es scheint allerdings als wäre das erhaltene Ergebnis nicht das gewünschte gewesen. Denkt man nur ein wenig weiter wird auch klar warum, denn es folgt folgende Aussage, die mehr oder weniger eindeutig belegt das mit Absicht Produkte “besorgt” worden sind in denen die Wahrscheinlichkeit Vitamin E-Acetat zu finden erhöht war.

 

“In insgesamt 20 Proben wurde THC nachgewiesen, davon in neun Fällen in gesundheitlich unproblematischer Konzentration, während elf Proben wegen erhöhten THC-Gehalts zu beanstanden waren. Dazu sind weitere Untersuchungen geplant.”

Da in dieser Pressemitteilung weder gesagt wird, woher die Proben bezogen worden sind, noch um welche Produkte es sich speziell gehandelt hat, drängen sich hier verschiedene mögliche Schlussfolgerungen auf. Die eher unwahrscheinlichere: es sind zumindest zum Teil Proben analysiert worden die auf dem deutschen Markt so oder so nur illegal zu erwerben gewesen wären. Zumindest ist meines Wissens nach THC noch nicht erlaubt, oder sollte ich mich da irren? Natürlich macht das in gewisser Weise auch Sinn. Um ggf. Vitamin E-Acetat nachzuweisen bedarf es natürlich auch Proben von Produkten, in denen es im Zusammenhang mit EVALI nachgewiesen wurde. Das wären dann wohl THC-haltige Liquids, die wie gesagt in Deutschland nur auf illegalem Wege zu beschaffen sind. Müßig zu erwähnen das den Profis vom BfR der Unterschied zwischen Dab-Pens und E-Zigaretten noch immer nicht bewusst ist, aber anderes Thema…

Die wahrscheinlichere: natürlich könnte es auch sein das es sich ausschließlich um Tests von CBD-Liquids gehandelt hat, die dann teilweise signifikante Anteile an THC enthalten haben. Ohne die konkrete Angabe der Herkunft und der Art der Liquids ist allerdings jede Deutung möglich. Das zeigt einmal mehr das Problem mit dieser Pressemitteilung. Sie ist in dieser Form weder aussagekräftig noch geeignet den Konsumenten in irgendeiner Art zu informieren.

Solange das BfR, wie in dieser Pressemitteilung geschehen, Aussagen trifft und diese dürftig bis gar nicht mit Fakten belegt (genaue Benennung und Art der getesteten Proben, exakte Nennung der Herkunft und Hersteller) ist eine Deutung der Aussagen nur Spekulation. Allerdings nimmt die Gewichtung der getroffenen Aussagen bei der dürftigen Nennung von Fakten auch rasant ab. Trotzdem erschüttert die Feststellung das 20 Proben THC enthalten haben sollen (bewusst?) das Vertrauen der deutschen Kunden in gewöhnliche Liquids, die nach dieser Pressemitteilung vermeintlich in Deutschland erhältlich sind und deutschen Regelungen unterliegen.  Und das, obwohl davon auszugehen ist das der normale Kunde auf üblichem Weg wohl kaum in Besitz derselben kommen kann! (Zumindest wenn er ein normales Liquid ordert, also kein CBD-Liquid zum Beispiel.)

Also anstatt Sicherheit zu vermitteln wird hier eher Unsicherheit verbreitet.

Und sei das nicht alles schon schlimm genug, werden die schwammigen Aussagen auch noch genutzt um gegen “Selbstmischer” auszuteilen.

“Umso mehr ist davon abzuraten, E-Liquids selbst zu mischen und damit ein gesundheitliches Risiko einzugehen.”

Nur geht bei denen auf dem deutschen Markt erhältlichen Komponenten gar kein gesundheitliches Risiko für den Nutzer aus.

Irgendwie komme ich mir gerade vor wie zur TPD 2. Es entsteht der Eindruck viele Veröffentlichungen zum Thema wären konzertiert. Der unsägliche ARTE-Nikotin Film, der Scheer Bericht und jetzt diese offenbar eiligst zusammengeschusterte Pressemitteilung des BfR. Die im Übrigen ohne Benennung der Produkte und Bezugsquellen NULL Aussagekraft hat!

Wir werden uns wohl auf einen stürmischen Herbst einstellen können. Es bleibt abzuwarten, inwiefern diese Mitteilung durch den deutschen Blätterwald rauschen wird und welchen Einfluss es auf die Entscheider haben wird.


Ergänzung:

Um deutlich zu machen das ohne Angaben von Herstellern bzw. der Angabe um welche Art von Liquid es sich bei den getesteten Proben gehandelt hat (norm. Liquid/CBD-Liquid) sind im Artikel zwei Deutungsmöglichkeiten zur Pressemitteilung des BfR ausgeführt. Die wahrscheinlichere ist natürlich die das CBD-Liquids getestet worden sind. Um den Umstand klarer zu machen habe ich beide Deutungen noch einmal voneinander abgegrenzt (sprachlich sowie farblich). Dadurch das das BfR aber auf die Nennung verzichtet, den Leser sogar im Dunkeln lässt was dort eigentlich getestet worden ist, sondern nur allgemein von Liquids gesprochen wird, diskreditiert diese Pressemitteilung (mal wieder) pauschal die E-Zigarette. Das ist der eigentliche Skandal. Und langsam drängt sich der Verdacht auf, das geschieht in voller Absicht. Für ein Bundesinstitut jedenfalls ist diese Art der Informationspolitik, man verzeihe mir den Ausdruck, schlicht lausig!


Bis die Tage

BfR in Concert(ierter Aktion)?

 

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4 thoughts on “BfR in Concert(ierter Aktion)?

  1. Ich deute aus der Pressemitteilung eher raus das die sich primär CBD Liquids angeschaut haben und das nur so nicht sagen wollen weil dann ja “Effekt” nicht so gut kommt.
    Zum einen heulen dann die ganzen CBD/Bio/Natur/etc Fans auf wieso man das mit der Bösen E-Zigarette in Verbindung bringt und zum 2. kann man damit nicht durch die Blume behaupten in Liquids wäre THC drin.

    Wenn in 20 von 57 Probem THC drin war und bei 11 sogar mehr als zulässig kann ich mir das kaum anders erklären.

    1. Kann natürlich auch sein. Ist sogar wahrscheinlich. Allerdings liegt da eben das Problem mit dieser Pressemitteilung, ohne genaue Benennung der Proben und Hersteller ist sie schlicht nichts wert.

      1. Und nennen sie die genauen Proben und Hersteller heulen diese (und ihre Werbepartner) wieder auf, wie damals bei den Österreichern, weil das sei ja Geschäfts- und Rufschädigend.

        Wir wissen beide das grade der CBD Markt formal primär zwischen grau und schwarz unterwegs ist.
        Und das mit teils sehr klagewilligen Firmen die da mitspielen.

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