Rauchstopp & Rauchentwöhnung – die Krux mit den Begrifflichkeiten

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Rauchstopp & Rauchentwöhnung – die Krux mit den Begrifflichkeiten

Vorneweg, das ist ein reiner Meinungsbeitrag, also können die Pflastersteine, Heugabeln und Fackeln liegen bleiben.

In den letzten Tagen entspann sich auf den verschiedenen sozialen Plattformen eine Diskussion zu bestimmten Begriffen innerhalb der Dampferszene sowie deren Nutzung und Breitenwirkung in der Politik. Ein erfreulicher Umstand. Nicht die Diskussion an sich, weil sie auf offensichtlichen Missverständnissen beruhte, sondern weil endlich mal wieder über etwas geredet wurde was nicht zwingend mit Rindfleisch zu tun hatte. Wie wahrscheinlich die meisten schon ahnen geht es um das vorletzte Video von Prof. Bernd Mayer, genauer gesagt um das letzte Drittel besagten Videos, das wie immer sehr informativ und der Auslöser für den erfreulichen Gedankenaustausch war.

 

 

Deswegen mal meine ganz persönliche Meinung zu einigen dieser Begriffe und zu deren Verwendung….


E-Zigarette-die falsche Wortwahl?

Ja, definitiv. Nicht umsonst bemühen sich viele Dampfer seit Jahren andere Begriffe zu etablieren. Zugegeben mit mäßigem Erfolg. Die Bezeichnung E-Zigarette kommt ja nicht aus der Politik oder gar von den ANTZ. Vielmehr ist es eine Bezeichnung die seinerzeit von der herstellenden Industrie erfunden und in der Folge von den ersten Nutzern übernommen wurde. Aus Sicht der Hersteller eine logische Namensgebung. Ein Begriff der potenziellen Kunden klarmachen sollte worum es geht – Zigarette – Rauchen, das E als Hinweis darauf das es etwas anderes ist, etwas Neues. Natürlich ging es auch damals schon darum, Harm Reduction als Hauptmerkmal zu transportieren. Aber mal ehrlich wie hätte man Neukunden erreicht, wenn das Produkt Dampfe, Dampfgerät oder “elektronisches Aromafluid und Nikotin enthaltendes Vernebelungsgerät” geheißen hätte? Richtig, kaum jemanden. Also war die Wortwahl zu der Zeit logisch und richtig. Das Politik, WHO und ANTZ sich freudig auf die Begrifflichkeit stürzen würden, um klarzumachen, dass es ja fast dasselbe sei (obwohl das offensichtlicher Schwachsinn ist), war zu diesem Zeitpunkt schwer absehbar. Da Sprache im Allgemeinen aber träge ist und sich nur schwer ändert oder anpasst und der Mensch eher faul  ist und deswegen auch in der Sprache nutzt was er kennt, haben wir den Salat und es wird noch Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte dauern bis sich ein anderer Begriff etablieren wird (wenn überhaupt). Dumm gelaufen aber nicht zu ändern. Wieder einmal eine der Tatsachen mit denen man leben muss. Aber um der Wahrheit die Ehre zu geben, nicht die Dampfgegner haben den Begriff etabliert um gegen  die Dampfer zu argumentieren. Die Bezeichnung gab es schon als die unsere Wölkchen noch gar nicht im Visier hatten…


Nikotinabusus

In vielen meiner medizinischen Unterlagen findet sich der Eintrag Nikotinabusus, also der schädliche Konsum von Tabakprodukten bzw. dem darin enthaltenen Nikotin, obwohl ich bei Befragungen immer angebe, dass ich nicht rauche, sondern Dampfgeräte nutze. Übrigens verstehen 90 % der Ärzte erst was ich meine, wenn ich den Begriff E-Zigarette verwende. Nun ist es durchaus so, das Einigen dieser Dottores klar ist, das ich damit ein erheblich weniger schädliches Produkt nutze. Allerdings kommt hier zum Tragen das Nikotin per se als böse angesehen wird, also per Definition nur Missbrauch sein kann. Erschwerend kommt hinzu das die Medizin bei Nikotinkonsum ohne Tabak schon in der möglichen Wortwahl schlicht überfordert ist, ganz einfach, weil sie sich damit noch gar nicht wirklich auseinandergesetzt hat. Es gibt in der Medizin nicht wirklich DEN nicht schädlichen Gebrauch von Nikotin. Noch tragischer ist das Nikotin in Medizin und Politik als “Faktotum” genutzt wird, um alle Scheußlichkeiten auf sich zu vereinen und das wider tatsächlichen Wissens. Auch hier wird es eine Änderung erst eintreten, wenn die Medizin sich dem Thema aus der jetzigen Zeit und den aktuellen Gegebenheiten heraus nähert, und nicht vom Wissensstand des letzten Jahrhunderts aus.


Rauchstopp & Rauchentwöhnung

Vorweg, wer das Rauchen von Tabakzigaretten einstellt und nur noch dampft, ist NICHTRAUCHER! Daran gibt es nichts zu rütteln. Denn er tut nichts anderes, als den Konsum verglimmenden Tabaks einzustellen. Er verzichtet auf das Inhalieren von RAUCH, ist folglich Nichtraucher. So einfach, logisch und nachvollziehbar dieses Argument ist, kommt trotzdem vom “Medizinertreppchen” immer wieder der Vorwurf das gilt nicht, man konsumiere ja immer noch Nikotin, man tue also etwas Ähnliches, ergo raucht man ja immer noch… BS! Man ist Nichtraucher und hat den RAUCHSTOPP vollzogen. Punkt. Da gibt es nichts zu hinterfragen. Etwas anders sieht es da mit dem Begriff Rauchentwöhnung aus. Ja, natürlich sieht man das persönlich so. Ich habe aufgehört zu rauchen, habe also faktisch eine Rauchentwöhnung durchlaufen.

Sieht man sich aber nun an was in der Medizin als auch in der Politik als Rauchentwöhnung oder als Mittel dazu bezeichnet wird, landen wir ebenso bei Nikotinpflaster, Nikotinsprays, Psychopharmaka und Sitzungen beim Seelenklempner. Alles anerkannte Mittel zur Rauchentwöhnung. Der Begriff ist also eine Sammelbezeichnung für vermeintlich wirksame Mittel und Mittelchen die es entweder auf Rezept oder in der Apotheke gibt. Die Frage ist wollen wir da eigentlich hin, also zu den anerkannten Rauchentwöhnungsmitteln? Natürlich vermag die Dampfe das zu leisten, ohne Frage. Alle anerkannten Mittel haben eines gemeinsam. Sie beenden den Genuss. Ich höre das Stöhnen aus den hinteren Reihen… Aber auch wenn es kein Nichtraucher gern zugibt, natürlich war die Fluppe auch ein Genuss, zum Kaffee und nach dem Essen. Nach dem…, huch ich vergesse mich.

Na jedenfalls war sie auch Genuss und das habe ich auch nach 10 Jahren noch nicht vergessen. Wirkt nun eines der Mittel die von Ärzteschaft und WHO so wärmstens empfohlen werden ist Schluss mit Lustig, Ende im Gelände oder aus die Maus. KEIN GENUSS mehr! Richtiger wäre also die Begrifflichkeit GENUSSSTOPP und GENUSSENTWÖHNUNG!  Sieht bei unserer Dampfe doch schon ein Stück weit anders aus. Sehe ich zumindest so. Ich minimiere das Schädliche und erhalte mir die Freude. Natürlich ist die Dampfe zum allergrößten Teil Harm Reduction, sie aber nur auf diesen Fakt zu reduzieren wird ihr weder gerecht, noch wird es uns DEN VORTEIL bringen. Dieses Vorgehen birgt letztlich die Gefahr in sich das, selbst wenn nur in minimalsten Umfang eine Schädigung durch das Dampfen nachgewiesen wird, uns diese Argumentation um die Ohren fliegt. Oder glaubt hier irgendjemand ernsthaft, dass die Gegner des Dampfens sich von Zahlen wie 95 % oder 50 % beeinflussen lassen. Sie werden sich an einer ggf. irgendwann einmal nachgewiesenen Schädigung festbeißen wie Nachbars Terrier, selbst wenn der Unterschied zur Zigarette immer noch 80 % betragen würde. Der Prozentsatz interessiert da niemanden.

Jetzt mag die Frage kommen, warum passiert das nicht bei Alkohol und anderen Sachen die unseren Alltag “bereichern”? Ganz einfach, weil die als Genussmittel akzeptiert sind. Der Öffentlichkeit ist durchaus klar das Genussmittel auf die eine oder andere Art auch “schädlich” sein können. Das wird akzeptiert! Ganz anders sieht es bei einem Produkt aus das vorrangig den Stempel der Entwöhnung, also einen medizinisch belegten Begriff trägt. Wie gesagt wollen wir da hin und noch wichtiger nützt uns das politisch? Ich werfe das nur mal so in den Ring…


Von Sucht und süchtig

Ich meine hier die auch von Dampfern viel und vor allem für sich in Anspruch genommene Verhaltensabhängigkeit. Natürlich gibt es diese. Kann man auch nicht wegleugnen. Aber ist das wichtig bzw. ist das überhaupt relevant? Nein, finde ich. Erstens ist eine Verhaltensabhängigkeit im Grunde erst einmal weder schädlich, noch schädigt man sich zwingend. Dazu kommt es erst, wenn diese Abhängigkeit bestimmte schädliche Faktoren einschließt. Also zum Beispiel einen Kurzen bei jeder Wiederholung des Wortes Abhängigkeit in diesem Text zu kippen (Scherz). Aber Ihr wisst was ich meine. Attestiert sich man sich also selbst eine Verhaltensabhängigkeit ist das schwierig, denn der Begriff ist von vornherein negativ belegt. Man etikettiert die Dampfe damit auch negativ. Das kann ja nicht in unserem Sinne sein. Nennen wir sie lieber Verhaltensmuster, das trifft es eher.


Zusammenfassend könnte man also sagen das viele der Missverständlichkeiten letztlich dadurch entstehen, dass es schlicht noch nicht die richtigen Wörter für einen bestimmten Umstand gibt, bzw. das sie in völlig verkehrtem Kontext genutzt werden (auf beiden Seiten). Das die ANTZ das weidlich und wissentlich ausnutzen sollte nicht verwundern. Shit happens. Tatsache ist aber auch das die Ergänzung von Prof. Bernd Mayer eigentlich nicht nötig hätte sein sollen. Aber schön das sein Video dazu beigetragen hat den Fokus wieder auf Wichtigeres zu lenken…. (Bis zum nächsten Beef)

 

Bis die Tage

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One thought on “Rauchstopp & Rauchentwöhnung – die Krux mit den Begrifflichkeiten

  1. Ich bin regelmäßig bei der Tabakkontrollkonferenz im DKFZ in Heidelberg. Da gibt’s natürlich immer auch Vorträge, die den “Rauchstopp” als ganz wichtigstes Ziel darstellen. Nach einem solchen Vortrag stellte ich der Referentin (ich glaube, die war vom dkfz) öffentlich eine Frage: “Ich bin vor x Jahren komplett auf das Dampfen umgestiegen. Zählt das als Rauchstopp?”

    Sie warf einen fragenden Blick zu ihrer Chefin (damals noch Frau Pötschke-Langer). Als diese bestätigend nickte, antwortete sie mit einem eindeutigen: “Ja!”

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