55 % aller Dampfer haben Lungen- oder Atemwegsbeschwerden?

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55 % aller Dampfer haben Lungen- oder Atemwegsbeschwerden?

Foto von Anna Shvets von Pexels

Zumindest behauptet das Aponet in einem kürzlich erschienenen Artikel. Unter der Überschrift

E-Zigarette: Lungenbeschwerden treten häufig auf

wird dann folgendes behauptet:

“…dass mehr als die Hälfte der Befragten [Dampfer] (55 Prozent) unter Symptomen wie Husten, Atemnot, Übelkeit, Magenschmerzen und Brustschmerzen litt. Personen, die nachfüllbare Geräte nutzten, aromatisierte E-Zigaretten verwendeten oder selbst Liquids mischten, hatten häufiger solche Symptome.”

Starker Tobak! Der extrem kurz gehaltene Artikel, der im Übrigen auf jegliche Quellennachweise verzichtet, ist aufgrund der darin getroffenen Aussagen natürlich mehr als geeignet Unsicherheit unter Umsteigewilligen auszulösen. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte, das das auch der einzige Zweck für ein derartiges Geschreibsel sein soll. Natürlich haben die im Artikel getroffenen Aussagen auch einen Ursprung.

Im Wesentlichen geht es um “Ergebnisse” einer “Auswertung” die am 13. November 2020 auf der Jahrestagung der AHA (American Heart Association) auf der Tagesordnung steht. Unter dem Titel:

Association of Electronic Nicotine Delivery Systems (ENDS) Usage and EVALI-like Symptoms (Assoziation der Verwendung elektronischer Nikotinabgabesysteme (ENDS) und EVALI-ähnlicher Symptome),

wird behauptet das die:

…Verwendung von ENDS signifikant mit der Wahrscheinlichkeit verbunden ist, klinische bzw. EVALI-ähnliche Symptome zu haben.

Also, lässt man selbst die Tatsache außer Acht, das die meisten Dampfer nach langjähriger Raucherkarriere umgestiegen sind und damit von Haus aus ein erhöhtes Risiko für eine Lungenerkrankung haben und das wie immer in keinerlei Weise berücksichtigt wurde, indem man per se für jede Schädigung die Dampfe verantwortlich macht, lässt sich allein dadurch der extrem hohe prozentuale Anteil an angeblich Geschädigten natürlich nicht erklären. Sollte der nämlich tatsächlich der Wahrheit entsprechen, wäre das Dampfen bereits verboten! Wie aber kommen nun diese merkwürdigen Zahlen zustande?

Ganz einfach durch einen, nennen wir es mal TRICK…

Sieht man sich die der Auswertung beigefügte tabellarische Aufstellung einmal genauer an und liest das “Kleingedruckte”, also die Fußnoten, wird einem erklärt welches einzelne Symptom nach Selbstauskunft genügte um in den Reigen der “Geschädigten” aufgenommen zu werden.

Für die Kategorisierung unter “Any symptom” wären das:

  • Mundtrockenheit (hygroskopische Wirkung von PG als Hauptbestandteil von Liquids verursacht natürlich diesen harmlosen Effekt, der allerdings schon ausreicht, um in dieser Auswertung als Betroffener zu gelten).  Allein dieses “Symptom” macht die Aussagekraft der Auswertung hinfällig, weil vollkommen irrelevante harmlose Symptome die gleiche Wertigkeit erhalten wie jene die tatsächlich auf eine Schädigungen hinweisen.
  • Husten
  • Nausea (Übelkeit)
  • Kopfschmerz
  • Verlust des Geschmacks- und Geruchssinnes
  • Kurzatmigkeit
  • Brustschmerzen
  • Herz-Rhytmusstörungen
  • Bluthochdruck
  • Juckreiz oder Brennen auf der Haut
  • schlechter Atem
  • Reizbarkeit
  • Beinkrämpfe
  • laufende Nase
  • verstopfte Nase
  • Sodbrennen
  • heisere Stimme
  • Alpträume
  • Magenverstimmung

Nur eines dieser tatsächlich erstaunlich breitgefächerten Symptome reicht also aus um in der Gruppe “Any symptom” aufzutauchen. Das ist vorsichtig ausgedrückt vollkommen lächerlich und hat NULL Aussagekraft. Inwieweit Mundtrockenheit, Reizbarkeit, Alpträume, Sodbrennen und schlechter Atem aus einer Selbstauskunft genügen, um der Dampfe die Verursachung von Lungenschäden anzulasten, erschließt sich mir NICHT! Ähnlich wird im Übrigen in der Gruppe der EVALI basierten Symptome vorgegangen. Dort genügt einer der folgenden Hinweise:

  • Husten
  • Nausea (Übelkeit)
  • Kopfschmerz
  • Verlust des Geschmacks- und Geruchssinnes
  • Kurzatmigkeit
  • Brustschmerzen
  • Magenschmerzen

Alles in allem tatsächlich lächerlich. Interessant wäre es zu erfahren bei wie vielen der eingeholten Selbstauskünfte Mundtrockenheit und Husten (normal beim Umstieg) der alleinige Grund für die Aufnahme in die jeweiligen Gruppen waren. Das erfährt man natürlich nicht. Warum wohl?

Aber da gewöhnlich nur die Schlagzeile in Erinnerung bleibt und nur wenige Leser auch hinterfragen was Ihnen da serviert wird, heißt es in der nächsten Zeit erst einmal wieder im tiefsten Brustton der Überzeugung:

E-Zigarette: Lungenbeschwerden treten häufig auf!

Na Gute Nacht….

Bis die Tage.

 

55 % aller Dampfer haben Lungen- oder Atemwegsbeschwerden?

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4 thoughts on “55 % aller Dampfer haben Lungen- oder Atemwegsbeschwerden?

  1. Der ganze Mummenschanz geht ja zurück auf eine uralte “Studie” aus 2016!

    Nämlich Thanh-Huyen T.Vu, Rose Marie Robertson et al.:”The role of flavors in vaping initiation and satisfaction among U.S. adults” (1). Das war damals nichts anderes, als ein Oline Survey – also eine Selbstauskunft. Ausgelegt und gemünzt, den Schluss zu ziehen, eine Gefahr von Aromen an den Haaren herbeizuziehen. Diese Studie soll nun anhand der damals – sozusagen als Beifang- selbst angekreuzter gesundheitlicher Befindlichkeiten als eindeutiger Beleg dafür herhalten, dass mehr als die Hälfte der Vaper Gesundheitsschäden habe. Und mehr noch, 33% hatten damals schon EVALI!
    Vu und Robertson als Initiatoren der damaligen Umfrage dürfen das nun stolz beim Herzkongress am Freitag auswalzen.
    Noch unwissenschaftlicher gehts wirlich nicht. Zur Diagnostik einer EVALI gehört die radiologische Thorax-Befundung, Labor und die Auswertung der BAL-Probe. Steigerung des Humbug wäre nur noch, die Köpfe unter eine schwarze Decke zu stecken und Knöchelchen zu werfen…

    “Getretner Quark, Wird breit, nicht stark”
    Goethe

    (1) https://doi.org/10.1016/j.addbeh.2019.106077

    1. Exakt. Die Original-“Studie” hatte ich auch herausgesucht aber aus Gründen der Übersichtlichkeit weggelassen (Quellenmaterial). Insofern schon mal Danke für deine Ergänzung.

      By the Way… Die machen doch seit Jahren nichts anderes als Knöchelchen zu werfen 🤪. Besonders Madame Vu ist ja nicht unbedingt eine Unbekannte, wenn es um die Diffamierung der Dampfe geht. Da gibt es dann so erhellende “Studien” wie:

      Correlates of Youth Vaping Flavor Preferences

      Relationship between population characteristics, e-cigarette and tobacco-related perceptions, and likelihood of ever using e-cigarettes

      Cigarette smoking, ENDS use and dual use among a national sample of lesbians, gays and bisexuals

      The role of flavors in vaping initiation and satisfaction among U.S. adults

      usw. Wen es interessiert eine Übersicht über das Schaffen zitierter Dame findet man hier:
      https://www.researchgate.net/profile/Thanh_Huyen_Vu

  2. Überraschen würde mich nicht, wenn ezigarettenutzer häufiger lungenbeschwerden haben als der Durchschnitt.. Sind ja fast alles ex Raucher. Im Vergleich zu anderen exrauchern wird es dagegen bestimmt fast oder gar keinen unterschied geben

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