Sonntagsgedanken…

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Sonntagsgedanken…

Foto von Elijah O’Donnell von Pexels

Ein Meinungsbeitrag.

Als Dampfer hat man so seine Probleme mit dem ÖRR. Einseitige Berichterstattung, wenig bis schlecht recherchierte Dokumentationen zum Thema und so weiter und so fort. Im Westen nichts Neues mag man meinen. Letztlich ist die Gesamtsituation, mit der man durchaus unzufrieden sein darf, geradezu derartig verkorkst, dass der VdEH sich Anfang 2020 genötigt sah formelle Beschwerde bei mehreren Gremien und Rundfunkräten der öffentlich-rechtlichen Anstalten einzureichen. Speziell ging es dabei um die

„unseriösen Tendenzen in der Berichterstattung zur E-Zigarette“

speziell in der EVALI-„Krise“. Gebracht hat es nichts. Was mit Sicherheit auch dem Umstand geschuldet ist das Geld so oder so fließt. GEZ-Gebühren sind sicher. Man muss sich nicht unnötig, nicht einmal halbherzig um die Gunst der Zuschauer bemühen. Wozu auch? Wie gesagt das Geld fließt, soll heißen es strömt geradezu. Egal. Zumindest ist die eher zwiespältige Einstellung einiger Dampfer (so auch ich selbst) durchaus nachvollziehbar. Wer vergisst schon gern die unglaublich erhellenden Beiträge des MDR zur Dampfe…(1) (2). Die Aufzählung ließe sich unter Nennung aller Sendeanstalten endlos fortsetzen.

Wer also will verübeln, das man infrage stellt wie zeitgemäß oder finanzierungswürdig derartiges Gebaren ist. Man könnte wohl über einige Dinge hinwegsehen, wenn das Gesamtkonstrukt an sich tragend wäre. Ist es aber nicht!

Schuld daran sind die Anstalten selbst. Erstens tragen sie den vermeintlichen Auftrag der unabhängigen „Grundversorgung“ und ihr höchstrichterlich bestätigtes Existenzrecht selbstherrlich vor sich her und nutzen diese Umstände äußerst bewusst um sich zu durchaus berechtigten Kritikpunkten nicht rechtfertigen zu müssen. Dieses Vorgehen hat ein nahezu unerträgliches Maß an Arroganz erreicht, dass es dem zahlenden Konsumenten regelmäßig die Zornesröte ins Gesicht treibt. Als Bürger einer 24-stündlich propagierten Leistungsgesellschaft ist man sozusagen darauf konditioniert alles und jeden eben nach der erbrachten Leistung zu bewerten bzw. abzustrafen. Geht in dem Fall aber nicht, läuft also dem anerzogenen Bewertungsreflex entgegen.

„Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks daher die Wahrung der politischen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit.“

Das aus diesem Auftrag resultierende Privileg von allen und jedem Kohle zu kassieren darf zumindest von Dampfern ob der oben zitierten politischen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit infrage gestellt werden. Soweit ist mein „Gejammer“ ja nicht wirklich neu. Eine ganz neue Qualität in der Diskussion um den GEZ-Beitrag wurde allerdings letzte Woche erreicht. Es geht dabei um die Querelen der 86 Cent Erhöhungen in Sachsen-Anhalt. Tatsächlich geht es sicher nicht um 86 Cent!

Plötzlich bin ich RECHTS, wenn ich gewisse fragwürdige Aspekte der ÖRR kritisiere. Die CDU wird zum „Steigbügelhalter“ der AfD… Der Spiegel teilt mittlerweile Kritik an den ÖR in ganz schlimm Rechts und „Light-Rechts“ ein. Bezeichnend das es keine Kritik gibt, die sich außerhalb des rechten Spektrums befindet. Gehts eigentlich noch? Das bedeutet ja im Umkehrschluss das 70 % der Deutschen politisch in dieser Ecke zu verorten wären. Immerhin haben sich genau so viele in einer Focus Umfrage gegen GEZ Gebühren ausgesprochen. Besser gesagt sie halten sie für nicht mehr zeitgemäß. Richtig lustig wird es bedenkt man die Tatsache das lt. dieser Umfrage Wähler der FDP zu 78,8 % und Wähler der Linken zu 76,4 % den Beitrag ablehnen, es also augenscheinlich so gar nichts mit der politischen Orientierung zu tun hat.

Das abbügeln von Kritik mit der „Iiiii du bist Rechts“-Keule nervt nur noch, scheint aber mittlerweile politisch zum guten Ton zu gehören. Ist halt einfach und es ist nahezu sicher, macht es einer vor, plappern es die anderen reflexartig nach. Schöne neue Welt!

Vorschlag zur Güte:

  • ÖRR Finanzierung nach Netflix Modell.
  • Oder aber Reduzierung der extremen Gehälter/Renten.
  • Sind soviel dritte Programme wirklich nötig? (Wiederholen eh bloß das Programm der anderen bis zum Erbrechen.)
  • Für jedes Bundesland eine SOKO-Serie? Wirklich?
  • Ein Nachrichtenkanal, ein Unterhaltungskanal und ein Doku-Kanal reichen vollkommen um den „Auftrag“ zu erfüllen. Reduziert den aufgeblähten Apparat enorm. Da sollten 9 Milliarden Euro dann eindeutig zu viel des guten sein…
  • Usw. Ideen gibts wohl genug.

 

Bis die Tage

 

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4 thoughts on “Sonntagsgedanken…

  1. Vom Prinzip bin ich da voll bei dir.

    Ich würde aber nicht ganz so weit gehen.
    Vom Prinzip mag ich das wir in D föderal sind und nicht alles in der Hauptstadt sitzt und dort auch entschieden wird. Ich mag das wir viele Radiosender und Fernsehsender haben. Und ich mag das wir lokale Produktionen haben. Und nicht nur billigst möglich zukaufen.

    Und ich neide einem Intendanten sein Gehalt nicht..

    Was ich Scheisse finde ist die intransparenz, das politische Postengeschachere und die Verschwendung von viel Geld zusammen mit dem Selbstverständniss der Sender das sie einfach mehr Geld „erpressen“ können von der Politik. Was wir grade sehen wenn es um die „Erhöhung“ geht. Im Jahr vor der Bundestagswahl bei der der ÖRR sicher merklich mitspielen wird.

    Da gibt es viel Reformbedarf. Interne Seilschaften die sich gegenseitig mit Aufträgen versorgen und das über ihre eigenen privaten Produktionsfirmen abwickeln müssen weg.

    Und nein man muss nicht 10-15% der Einnahmen für Sport und und weitere 10-15% für Hollywoodproduktionen ausgeben. Das liesse sich direkt einsparen.

    1. Ich verstehe durchaus was du meinst, allerdings geht das weit über den eigentlichen Auftrag des ÖRR hinaus. Dafür soll er gar nicht da sein. Natürlich darf jedes Bundesland seine eigene Sendeanstalt mit den zum xten mal breitgewalzten Inhalt haben, der sich letztlich nur im Dialekt unterscheidet. Aber eben nicht auf Grundlage einer unantastbaren Gebühr. Dann bitte wie alle anderen auch auf Grundlage eines freien Wettbewerbs.

      Und gerade die inneren Strukturen dieses Kolosses begünstigen die von dir genannte Postenschacherei, Vetternwirtschaft und die Intransparenz gerade bei internen Produktionen über private Produktionsfirmen. Ein schlankeres Konstrukt würde da sehr schnell Abhilfe schaffen.

      Das dieses aufgeblähte Sendernetz nicht einmal mit 9 Milliarden Euro Beiträgen halbwegs ansprechend „gefüllt“ werden kann, mag allein durch die unzähligen Wiederholungen die von einem zum nächsten dritten Sender durchgereicht werden belegt werden.

      Wobei ich auch noch einmal darauf hinweisen will das es mir eigentlich eher darum geht, das jede Art von Kritik mittlerweile ins rechte Spektrum verortet wird. Es geht mir eher weniger um die Berechtigung der einzelnen Sendeanstalten. Man kann da gern geteilter Meinung sein.

  2. Bei den Öffentlich-rechtlichen liegt einiges im Argen und ich kann Kritik und Reformwünsche verstehen. Man sollte dringend die Strukturen ändern. Allerdings sollte weder die Finanzierung, noch der Bildungsauftrag abgeschafft werden, meiner Meinung nach.
    Ich schaue kein Fernsehen mehr, aber trotzdem nutzt man doch Inhalte der Öffentlich-rechtlichen. Sei es „die Anstalt“ über die Mediathek, oder Radiosender, die nicht die ewig gleiche Scheiße spielen, sondern auch noch Musik vorstellen aus anderen Ländern und einem den Horizont erweitern. Auch die Informationspolitik ist gut bei den Sendern. Nachrichten zu haben, die nicht von einer Quote abhängig sind, sorgen dafür, dass wir nicht nur Bild-Niveau Nachrichten bekommen, die auf Sensationslust ausgelegt sind.
    Man muss nicht Rechts sein, um eine Abschaffung der GEZ zu fordern, aber eine Definanzierung der Öffentlich-rechtlichen spielt den Rechten in die Hände. Ein Sender wie Fox News wäre doch deren feuchter Traum hier. Wenn dem rechten Schwachsinn nichts mehr von seriösen Quellen entgegen gesetzt wird.
    Grade in diesem Jahr ist mir aufgefallen, wie viele Dampfer dem Querdenken fröhnen. Ich glaube, dass der prozentuale Querdenker-Anteil bei Dampfern etwas höher ist. Viele glauben den traditionellen Medien gar nichts mehr auf Grund der schlechten E-Zigaretten Berichterstattung. Ich führe das auf mangelnde Medienkompetenz zurück. Also suchen sich diese Menschen alternative Informationsquellen. Leider können viele nicht Simon Bauer von Heiko Schrang unterscheiden. Man muss nur mal in die Dampferforen gucken, was derzeit zu den aktuellen Ereignissen (TPD 2.5 und Abmahnwelle bei YouTube) geschrieben wird. Da sind schon sehr viele Verschwörungsmythen unterwegs.
    Statt Abschaffung bin ich also für Reform. Mehr Austausch sollte zwischen Sender und Volk da sein. Die Kommunikation untereinander sollte verbessert werden. Auf die Kritik von dem Frontal Beitrag zu den Nazi Gamern wurde ja auch eingegangen. Es funktioniert also schon bei größeren Gruppen. Die kleine Blase wird irgendwann auch erhört werden. So ist zumindest meine Hoffnung.

    Zu guter Letzt Off topic: Ich wollte dich mal für deinen Blog Loben. Einer der wenigen Blogs, bei dem ich wirklich jeden Beitrag lese. Du machst einen tollen Job.

    1. Erstmal Danke für das Kompliment. Die Abschaffung des ÖRR wäre ein fataler Fehler, da gebe ich Dir in jedem Fall recht, das ist ja auch das, was ich oben geschrieben habe (verschlanken statt abschaffen). Außerdem gibt es da durchaus ein paar Perlen, die ich nicht missen möchte. Das Problem ist das die Kritik, die tatsächlich aus dem rechten Spektrum kommt, das Ziel hat, das der ÖRR verschwindet, ersatz- und alternativlos. Die Kritik aus allen anderen politischen Spektren will Wandel, mehr zeitgemäße Ausrichtung usw. Ich denke das ist tatsächlich der weitaus größere Teil und genau der wird der Einfachheit halber mit den unverbesserlichen in einen Topf geworfen nur damit man sich nicht konstruktiv mit dem Thema auseinandersetzen muss. Das ist mehr als traurig und würdelos. Würde man beispielsweise den aufgeblähten Apparat tatsächlich auf einen 24 Stunden Nachrichtenkanal, einen Doku und Wissenskanal, einen Sportkanal sowie einen Unterhaltungskanal verschlanken, könnte man erstens erheblich bessere Qualität liefern und die Gebühren könnten sogar noch gesenkt werden. Der Bildungs- und Informationsauftrag wäre trotzdem gesichert. Die Akzeptanz in der Bevölkerung zu großen Teilen wiederhergestellt.

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