Intellektallergiker der Nordwest-Zeitung

4.9
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Intellektallergiker der Nordwest-Zeitung (Oldenburg) (Twitter: @nwzonline) schaffen es tatsächlich mit nur wenigen Zeilen gleich in mehrfacher Hinsicht völligen Blödsinn zu verbreiten. (1)

„Das Suchtpotenzial ist ähnlich hoch“ weiß Klaus Hilkmann und meint damit natürlich die E-Zigarette. Damit das Framing auch richtig sitzt, wird dieses Statement sogleich prominent mittig im Text nochmal wiederholt.

Da rechnet er in der Einleitung gleich mal die „als Shishas bezeichnete Wasserpfeifen“ den elektronischen Inhalationsprodukten zu. Solch seltendämlichen Mumpitz mussten wir gottlob lange nicht mehr ertragen!

„Dafür werden in dieser Altersklasse vermehrt elektronische Inhalationsprodukte wie E-Zigaretten oder als Shishas bezeichnete Wasserpfeifen konsumiert.“

Danach folgt der wohl auftragsgemäß platzierte Kernspruch:

„Das Suchtpotenzial und die Gesundheitsgefährdung ist bei E-Zigaretten ähnlich hoch wie bei Tabakerzeugnissen.“

Gesundheitsgefährdung also. Ähnlich hoch, wie Zigarettenqualm – soso. Dann ist Herr Hilkmann ganz sicher auch imstande, die Gefährdung anhand konkreter Zahlen genauer zu quantifizieren. Nämlich, wie viele der E-Zigaretten – Nutzer dadurch in akut oder dauernder ärztlicher Behandlung befindlich sind. Dasselbe gilt selbstredend auch für die Versorgung bei Hospitalisierung, heißt stationärer Aufnahme in der Klinik. Die Anzahl der dadurch an chronifizierten Leiden Erkrankten wäre auch willkommen. Und da die Gefährdung der Gesundheit ja in der Dramatik ähnlich wie bei Rauchern sei, wollen wir bitteschön auch die genaue Zahl der daran Verstorbenen wissen!

Für Raucher sind diese Zahlen sehr genau belegbar. Alle Friedhöfe liegen als Zeugnis voll davon. Mit einer Zunahme von 6.000 stieg die Zahl der Tabakrauchfolgetoten zuletzt auf 127.000 pro Jahr an.

Zur E-Zigarette sind etwa nach 15 Jahren Gebrauch und weltweit über 50 Mio. Benutzern keine nennenswerten Nebenwirkungen bekannt. Geschweige denn damit verbundene Spätfolgen oder gar Todesfälle.

Um es noch einmal ganz klar zu verdeutlichen: die Zahl der Todesfälle beträgt genau NULL!

Wie man aber aus diesen Tatsachen allerdings eine „ähnlich hohe Gesundheitsgefährdung“, wie sie mit dem Tabakrauchen verbunden ist, konstruieren kann, bleibt Geheimnis.

Wie auch das gleich oder ähnlich hohe Suchtpotential, das vorgeblich damit verbunden sein soll. So diese Behauptung sich aber auf die herbeikonfabulierte Einstiegsdrogenhypothese beziehen soll – die geht fehl! Denn, wie der Autor eingangs richtig anmerkt, sinkt die Zahl jugendlicher Raucher konstant. Weltweit. Müsste einer solchen Annahme zufolge dadurch aber messbar ansteigen, was aber ausbleibt.

Dass ein neues Produkt nach Markteinführung mit jährlichen Zuwachsraten an Konsumenten rechnen darf, ist eine Binsenweisheit. So das Produkt erfolgreich angenommen wird.

Auch das müsste sich aber mit konstant steigenden Zahlen unter den jugendlichen Nutzern abbilden. Tut es aber auch nicht. Denn diese stagnieren im Vergleich zum Vorjahreszeitraum!

So können dafür höchstens noch die Alarmmeldungen aus den USA herhalten. Die aber, mit Verlaub gesagt, hier in D und EU völlig irrelevant sind! Denn erstens werden dort – aufgrund

völlig anders gearteter Gesetzeslage – alle Inhalationsformen, nämlich E-Joint’s, Vaporizer für THC und sogar Bhongs unzulässigerweise mit dem dort üblichen Sammelbegriff Vapen bezeichnet.

Viel schlimmer sind dort drüben aber die bestens mit Multimillonen $ geschmierten Diffamierungsmaschinen, die liebend gerne kreischende Mütter als Protagonisten vor der Kamera verdingen, und ein weitverzweigtes Netzwerk an Akteuren unterhalten, vor deren Karren sich auch medizinische Fachgesellschaften und sogar die WHO willfährig einspannen lassen.

„Follow the Grant!“ (2)

Eltern verkaufen ihre Kinder gerne an diese Kampagnen. So durfte eine Tochter in die Kamera verkünden, dass ein einmaliger Zug aus einer, auf einer Party dargebotenen „Juul“ bei ihr zu unmittelbarer schwerster Abhängigkeit geführt haben soll, die nur suchtmedizinisch zu behandeln war.

In E-Zigaretten eingesetztes Nikotin ist rein und hat – im Gegensatz zu den im Tabakrauch enthaltenen, weiteren für die Gewöhnung wesentlich verantwortlichen Substanzen – ein geringes Suchtpotential! Das ist mittlerweile „Common-Sense“. So verweist schon 2010 die EU über den für sie erarbeiteten SCENHIR Bericht darauf.

Aber auch die aktuelle Studienlage vermag das Behauptete nicht stützen! (3)

„Findings:

Among current users, dependence on e‐cigarettes was significantly lower than dependence on cigarettes […]“

Das Sahnehäubchen dann zum Schluss. Unsere DGP.

Ausgerechnet die med. Fachgesellschaft, die, um sich weiterer opulent zuströmender Zuwendungen versichert zu sein, allen erdenklichen Quark wiederkäut, der ihrem oder dem auftragsgemäßen Narrativ genehm ist. Die Frage, wer da Koch ist und wer den Kellner spielen darf, stellt sich längst nicht mehr. Suchen geradezu fiebernd nach Allem, was nur ansatzweise behauptet, irgendeine Schädlichkeit belegen zu können.

Und holen sich regelmäßig damit eine blutige Nase. So musste doch deren Alterspräsident noch vor der Veröffentlichung einer Studie sogleich mit der Zahl des 3,3fachen Risikos, durch E-Zigaretten an einer schweren Lungenerkrankung zu leiden, reüssieren. Obwohl dieses Paper in seiner Substanz eine solche Schlussfolgerung gar nicht liefern kann. Da besteht nicht die geringste Scheu, sich mit Werken eines Autors, dem man aufgrund wissenschaftlichen Fehlverhaltens schon Publikationen im Nachhinein zurückgezogen hat, der sich wegen mehrfacher sexueller Belästigungen verantworten musste und dem seine Universität die Kündigung ausgesprochen hat, gemein zu machen. Hauptsache, das Framing stimmt.

Diese Fachgesellschaft, die DGP dichtet Herr Hilkmann mal eben flugs zur „Gesellschaft für Pneumologie und Rettungsmedizin“ um. Bewahre! Bei derart geballtem fast schon gefährlichen Unfug, den die verbreiten auch noch von einem ihrer Mitglieder schlimmstenfalls Notfallmedizinisch behandelt zu werden.

Nein!

Die heißen „Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin“ und nicht „Rettungsmedizin“!

Und das denen zugeschriebene Zitat:

„auch E-Zigaretten-Raucher häufiger an Covid 19 erkranken.“

entspringt einem ihrer „ad hoc“ Stellungnahmen. Ad Hoc bezeichnet nach Wikipedia (4) „improvisierte Handlungen (vgl. „aus dem Stegreif“)“ aber auch „spontan aus einer Situation heraus“. So hastig improvisiert, dass eine ihrer dort angegebenen Quellen sich im Nachhinein verweigert hat, für die damit untermauerte Behauptung als Beleg zu dienen. Die ursprüngliche Fassung musste revidiert werden.

„Ad Hoc“ wohl deswegen, da sich kurz zuvor ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern genau für die Verwendung von E-Zigaretten mit deren bescheinigten guten Erfolgen in der Raucherentwöhnung öffentlich mit einem Appell an Medizin und Politik gewandt hat. (5)

Dis DGP- Behauptung zu E-Zigaretten-Rauchern und deren häufigeren Covid19 Erkrankungen klammert sich an eine einzige Veröffentlichung. Diese sogenannte „Studie“ von Gaiha et al. hat durch vorsätzliche Täuschung, die bei einem regulären Peer Review sofort aufgefallen wäre, dem publizierenden Journal bereits schweren Schaden an dessen Glaubwürdigkeit zugefügt. Es sind dort bereits mehr Beschwerden und Löschungsanträge von Fachkollegen eingegangen, als sich überhaupt Leser für diesen „Scientific Misconduct“ gefunden haben.

Es handelte sich dabei um ein im Frühjahr durchgeführtes Telefoninterview bzw. Online – Umfrage bei Jugendlichen, die bei der Auswertung der gewonnenen Zahlen nicht einmal eine Normierung auf gleiche Teilnehmerzahlen – also einfache Prozentrechnung vollzog. Dass man mit einer solchen Unterlassung im Anschluss natürlich marktschreierisch von 7-fachem Risiko blöken kann, kommt der DGP geradezu wie gerufen. Wenn aber die entsprechende Gruppe auch siebenmal größer ist, bleiben nach richtiger Umrechnung keine Unterschiede übrig!

Das lässt sich aber alles noch deutlich toppen. Wenn man solcher Irreführung noch gleich eine fette Lüge hinzudichtet. Dass nämlich sogar eine Erkrankungsschwere an Covid19 gleich nochmals deutlich durch E-Zigaretten laut dieser „Studie“ entscheidend erhöht sei. Obwohl jedem Laien klar ist, dass das Vorliegen einer Erkrankung der Diagnose eines qualifizierten Arztes bedarf. Und die nicht mit einem Telefoninterview ersetzbar ist! Die sog. „Studie“ macht übrigens keinerlei Andeutungen in diese Richtung.

Quelle: Ludwigs Twitter Account

Die ebenfalls noch angeführte „Deutsche Krebsgesellschaft“ gehört übrigens mit zu den hiesigen Ablegern einer Diffamierungsmaschinerie, deren militantester Akteur, das „Aktionsbündnis Nichtrauchen e.V.“ (ABNR) nach Spiegel Recherchen auf der Bezahlliste der Pharma steht (5). Man ist jeweils vice-versa dort Mitglied.

„Follow the Grant.“

Wir haben dieses Prachtstück journalistischer Fehlleistung vorsorglich im Webarchiv eingetragen und dort gesichert, falls es irgendwie abhanden kommen sollte.

(1) http://web.archive.org/web/20201230094044/https://www.nwzonline.de/gesundheit/oldenburg-e-zigaretten-das-suchtpotenzial-ist-aehnlich-hoch_a_50,11,2047848519.html

Link zum Original – möglichst nicht benutzen, um dort nicht unnötigerweise noch Klickzahlen zu generieren! Danke!

https://www.nwzonline.de/gesundheit/oldenburg-e-zigaretten-das-suchtpotenzial-ist-aehnlich-hoch_a_50,11,2047848519.html

(2) https://followthegrant.org/

(3) Saul Shiffman, Mark A. Sembower: „Dependence on e‐cigarettes and cigarettes in a cross‐sectional study of US adults“, Wiley Addiction, 20.3.2020

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/add.15060

(4) https://de.wikipedia.org/wiki/Ad_hoc

(5) https://www.frankfurt-university.de/fileadmin/standard/Hochschule/Fachbereich_4/Forschung/ISFF/Veranstaltungen/Webinar_E-Zigaretten_2020/Positionspapier_E-Zigarette_final_28102020.pdf

(6) https://www.spiegel.de/wissenschaft/warum-die-pharmalobby-die-e-zigarette-bekaempft-a-00000000-0002-0001-0000-000165579742 (bezahlpflichtig)

Intellektallergiker der Nordwest-Zeitung

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