Gedankenspiele

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Gedankenspiele

Gerade im Moment wird auf einigen Plattformen und Streams über die Auswirkungen der kommenden Steuer auf Liquids spekuliert. Natürlich ist das, was ich im Folgenden ausführe auch reine Spekulation. Vielleicht etwas realistischer, aber letztlich auch nur spekulativ.

Zunehmend hört man Stimmen, die der Meinung sind, dass Scholz sich mit der Steuer nur selbst schadet, also im Endergebnis Verluste einfahren wird. Erstens, weil der Dampfer statt zur Tabakzigarette zurückzukehren komplett aussteigt. Zweitens, weil durch wegbrechende Arbeitsplätze in der Branche Kosten generiert werden, die die Einnahmen negieren. Letzteres ist sicherlich nicht ausschlaggebend. Die Zahl, so traurig es auch wäre, der Arbeitslosen und die dadurch verursachten Kosten fallen nahezu nicht ins Gewicht. Soll heißen im großen Spiel der Steuererträge ist dieser Posten nicht der Rede wert. Zumindest hat er nicht die Wertigkeit die den Bundesfinanzminister zum Umdenken bewegt.

Das der Dampfer statt zur Tabakzigarette zu greifen komplett aussteigt, scheint reines Wunschdenken. Statistische Erhebungen aus anderen Ländern, in denen bereits eine Steuer erhoben wird, sprechen eine deutlich andere Sprache. Dort sind Massen wieder zum konventionellen Rauchen gewechselt. Diese Fehlwahrnehmung ist in der einseitigen Betrachtungsweise aus der Blase heraus begründet. Tatsache ist aber die Masse an Dampfern hat mit der Blase nix am Hut, kümmert sich nicht ums selber mischen und diskutiert nicht täglich die Vorzüge irgendwelcher Verdampfer. Im Gegenteil Dampfstick aus der Tasche losdampfen, hin und wieder Pod wechseln und gut ist es. Das ist die Realität da draußen.

Da im Bundesfinanzministerium in der Hauptsache keine Idioten sitzen, sondern Menschen, die bereits im Vorfeld sehr genau ausloten, was geht und was eben nicht sollte klar sein (auch wenn man das persönlich naturgemäß anders betrachtet). Speziell im Hinblick darauf, ob eine einzuführende Steuer Gewinne oder Verluste generiert und inwieweit sie sich „verkaufen“ lässt, kann man davon ausgehen, dass eine Menge Leute sich mehr als nur einen Tag den Kopf zerbrochen haben und nahezu alle Eventualitäten in Betracht gezogen haben. Natürlich gibt es immer wieder mal Steuern die auch nach Einführung wieder im Papierkorb verschwinden, das ist aber gerade in Deutschland außerordentlich selten und mit Sicherheit nichts worauf man hoffen sollte. Auch nach Italien zu schielen dürfte sinnfrei sein. Besonders Anbetracht der Tatsache das jenes Steuergesetz in Italien gar nicht einkassiert wurde, sondern immer noch existent ist und ggf. auch wieder zum Einsatz kommen kann. Zu hoffen, dass es wie in Italien kommt ist also eher eine schlechte Idee.

Ich hatte das gestern kurz angeschnitten. Die kommende Steuer ist kein Schnellschuss und hat, sieht man sich das etwas genauer an, gar nichts mit dem Nikotingehalt zu tun. Das Ziel war und ist ganz eindeutig beide Produkte auf ein Preisniveau zu heben. Ein minimaler Unterschied zugunsten der Dampfe scheint ebenso geplant gewesen zu sein. Ausgehend vom jetzigen Preis entsprechender Produkte erlaubt diese Vorgehensweise, das der Bund letztlich eine doppelt so hohe Steuer auf Liquids erheben kann, wie sie in Hinsicht auf den Nikotingehalt bei Tabakzigaretten bis dato erhebt. Das Ganze hat also gar nichts mit Steuergerechtigkeit zu tun. Aber es lässt sich trotzdem verkaufen, ganz einfach, weil man schlicht behaupten kann das es ja vom Verbrauch her betrachtet nicht teurer als Rauchen ist, ggf. sogar minimal weniger kostet.

Die Steuer, die der Masse verkauft werden muss ist eben nicht der Nic-Shot für irgendetwas um die 9,00 € (inkl. MwSt.) „Verkauft“ werden muss das, was die Masse nutzt oder nach dem Willen der Regierung genutzt werden soll. Und das sind bzw. werden bei der Steuerpolitik zukünftig Pods sein. Für Umsteiger die zumeist über die Pod-Systeme von Big-T zum dampfen kommen wird der preiswertere Markt  (selber mischen, andere Systeme) nicht wirklich ein Verlust sein, weil sie ihn gar nicht kennengelernt haben.(nachträgliche Ergänzung)

Betrachtet man den „Durchschnittspod“ mit 1,5 ml und 9 mg bzw. 18 mg Nikotingehalt dürfte die Preiserhöhung außerhalb der Blase kaum zu Entrüstungsstürmen führen. Effektiv wären das 54 Cent bzw. 1,08 Euro pro Pod. Die 2-er Packung kostet dann ca. 8,00 bzw. ca. 9,20 €. Also können die Verantwortlichen sogar noch behaupten, dass es immer noch preiswerter sei als der Griff zur Zigarette. Milchmädchenrechnung. In Wirklichkeit sieht es anders aus. Aber das durchschaut die Masse außerhalb der Blase wahrscheinlich nicht.

Der Ansatz Italien oder verursachte Kosten durch das Sterben einer Industrie sowie angeblich zu erwartende rote Zahlen durch Einführen der Steuer werden als Denkanstoß für die Politik so nicht funktionieren. Ganz einfach, weil sie einer realen Grundlage entbehren, bzw. die Auswirkungen den Großkopferten schlicht egal sind. Das einzig funktionierende Argument kann eigentlich nur eine Besteuerung sein der der signifikante Unterschied im Gefährdungspotential zugrunde liegt.

Bis die Tage

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6 thoughts on “Gedankenspiele

  1. Ich weis nicht ob ich die Masse der Dampfer als prefilled Poduser einstufen würde.
    In Deutschland sicher nicht. Zumindest aktuell. Das könnte sich aber fix ändern

    Aber das die geplante Steuer quasi genau auf die Podsystem der Tabakbranche zugeschnitten ist und dort auch nur zu einem moderaten Preisanstieg führen wird UND das auch für den Normaldampfer, der Shots kauft, danach Dampfen billiger bleibt als fertige Kippen kaufen das sagte ich auch schon letzte Woche.
    Das ist klar und logisch …
    Was aber auch klar ist: Wenn DIY Dampfen teurer wird wie selber drehen oder Cigarillos dann werden viele aktuellen Dampfer diesen Weg gehen.
    Ob das Sinnvoll ist für den Staat?

    1. Stimmt. Ich habe, weil das offensichtlich falsch rüberkommt die Passage noch einmal leicht angepasst. Sagen wollte ich das diese Steuerpolitik darauf abzielt Pod-Systeme zu etablieren, weil sie schlicht leichter zu händeln sind (Steuertechnisch). Was auch jetzt schon klar ist, bei der geplanten Steuererhöhung ist das selber stopfen schon preiswerter. Da viele Umsteiger aus den einkommensschwachen Schichten kommen und umsteigen, weil dampfen preiswerter war bzw. noch ist, fallen diese aber in Zukunft mit Sicherheit weg.

  2. In deiner Betrachtung fehlt mir ein Aspekt: wenn das Podystem und die Packung Filterziggis nahezu dasselbe kostet, warum sollte jemand dann mit dem Gedanken des Umstiegs spielen? Es gibt genügend Untersuchungen, nach denen ein deutlicher Preisunterschied ein maßgebliches Argument für den Umstieg ist. Noch VOR dem Gesundheitsaspekt. Ganz besonders in den unteren Einkommensschichten. Und genau das fällt dann weg. Die prognostizierte Steigerungsrate der Dampfer wird nicht eintreffen. Wahrscheinlich ist es dem Finanzminister sogar lieber, die Leute quarzen weiter (Mutmaßung)? Und das wäre ein krasser Tritt in die Weichteile aller Befürworter der Harm Reduction. Wie du sehr schön im Forum nachlesen kannst, wird auch dieses Argument an die Ministerien eingebaut. Nicht unbedingt bei den Finanzen – das tangiert die nicht. Sehr wohl aber das von Jens Spahn.

    1. Du missverstehst den Beitrag. Dass ich persönlich der Meinung bin das eine Steuererhöhung wie die geplante zur Folge haben wird das gerade die einkommensschwachen Schichten nicht umsteigen habe ich mehr als einmal klargemacht. Es geht vielmehr darum wie man versucht diese Steuer zu verkaufen. (Ist doch nicht teurer, ist doch nur gerecht das das ähnlich viel kostet etc.) Tatsache ist das stopfen und drehen dann definitiv billiger sein werden, also genau das was in den besagten Schichten eh schon vorherrscht. Die Frage das der Umstieg aus preislichen Gründen behindert wird, ist also unstrittig.

      Hauptsächlich geht es darum, das man zunehmend liest, die Steuer hätte rote Zahlen zur Folge. Siehe den Beitrag unter dieser Antwort. (Mit Zahlen lässt sich schön spielen…). Also geht es vielmehr um die Frage mit welchem Argument die Politik zur Um- oder Abkehr bewegt werden kann. Bzw. welches Argument tatsächlich Sinn macht. Darum ging es im Artikel.

  3. Ich sehe von vorne und von hinten gerechnet nicht, dass da klug und bis in den letzten Winkel ausgelotet gerechnet wurde. Ganz im Gegenteil!
    Nehmen wir also mal an, dass der Unfug der Protektion von Pod-systemen geschuldet sei (ist von auszugehen). Und macht die Rechnung völlig simpel auf. Bei (derzeit) 420Mio Gesamtumsatz erwartet der Finanzminister schließlich, dass die Dampfer gerne in 2026 die Steuer von 986Mio on top obenauf mit bezahlen. 420Mio Gesamt + 986Mio = 1.406Mrd
    Das entspricht einem Verhältnis von = 1:3,35. Wer also zuvor 1.000€/a ausgab, zahlt dann 3.350€/a. Davon kann man täglich 1 Schachtel Kippen bezahlen, auch nach deren Steuererhöhung!
    Gehen wir mal davon aus, dass der Markt für klassisches Dampfen völlig zusammenbricht, da kein Dampfer für einen Shot die (leider sehr realistisch gerechneten) 15,-€ ausgibt.

    Dann lässt sich einfach nur aus der projektierten Steuer die Zahl der resultierenden Pods bestimmen, wenn denn das der Markt sein soll, der danach prosperiert.
    Mit Deinen 1,08€ kommen da 913Mio Pods bei raus. Bei 7 pro Woche entspricht das einem Nutzeranteil von 2,508 Mio dauerhaften Pod-Nutzern.
    Momentan kommen wir realistisch auf grob~ 1Mio Dampfer (Kotz et al. geben Feb 2021 0,9% an).
    Ich weiß die Quelle nicht mehr, aber habe einen aktuellen Anteil von 7% Pod-Nutzern in Erinnerung. Wären 70.000 . Da liegt dann eben nicht NUR eine Rechenunsicherheit von vielleicht 10% zu Grunde.
    Der Faktor dieser Fehlkalkulation käme auf 35,8 also um das 36fache verschätzt!

    Das ganze Zahlenwerk des BMF kann nur auf Würfeln basieren. Selbst Big-T hat sich in seinen Umsatzerwartungen um etliche Zehnerpotenzen verkalkuliert. Ich erinnere mich an eine Zahl von B. Mayer vor grob 2 Jahren, die auf At bezogen galt. Da kam der Nutzeranteil österreichweit eines System auf ganze 270!

    Mit Zahlen lässt sich schön spielen – nur bei realistischer Gewichtung kommt da auch Belastbares bei heraus. Ich habe vor 3 Wochen mal grob überschlagen, dass eine Abwicklung des gesamten Dampfmarktes mit geschätzt 20.000 Beschäftigten (Produktion, Import, EH) unter Einbezug von
    ALG I, Wegfall v. EKSt d. Beschäftigten, Belastung KV, RV, PV, Wegfall gewerblicher Mieteinnahmen, Kompletter Wegfall der Steuererlöse, Eingliederungskosten Erwerbsloser i.d. Arbeitsmarkt, aus grob 500Mio Umsatz eine aufzubringende Last für Bund, Länder, Kommunen ein Erfüllungsaufwand von 885Mio für Jahr 1 resultiert.

    Da kann man noch lustig dran weiterrechnen. Gut 1Mrd Erlöse aus NikSt mit -,04€ mg = 25Mrd mg Nikotin! Oder 25.000 kg reines Nikotin. Bei einem Ø Gehalt in der fermentierten Trockenmasse Tabakblatt zwischen 1,5 – 3% seien – auch der Extraktionsverluste wegen – 2% realistisch angenommen. Ergibt 1.250.000kg Rohtabak.
    „Frisch geerntete Tabakblätter bestehen zu 80 bis 90 Prozent aus Wasser. Der Rest sind die eigentlichen
    Feststoffe der Blätter. Nach einer Woche haben die Blätter ungefähr die Hälfte an Gewicht durch die
    Wasserverdunstung verloren. Am Ende des Trocknungsprozesses haben die Blätter das genau
    umgekehrte Verhältnis von Wasser und Feststoffen. Nämlich 15 bis 25 Prozent Wasser.“

    Mittelwert Frisch = 85%, Getrocknet = 20%. Differenz = 65%, d.h. Trockenblatt wiegt 35% vom Frischblatt.
    Daraus ergibt sich eine Erntemasse von 3.571.428 kg Tabakblatt. Bei einem Ertrag von 300g/Pflanze und 1m² Anbauflächenbedarf -> Stück 11,904Mio Tabakpflanze und grob 1200 Hektar Anbaufläche.
    Weniger! (Ertrag: 2000-3000kg/Ha)

    Weniger deshalb: für die Nikotinextraktion – so, wie wir sie haben, – kommen nur geringwertigere Tabaksorten in Frage. Die sich auch in Europa gut und ertragreich anbauen lassen. Aber so gut wie gar keine Verwendung in der Zigarren/Zigarettenfertigung finden. Und, unter der Voraussetzung, dass beim Einschlag, die Hälfte das Dampfen komplett aufgibt und die anderen wieder munter anfängt zu Qualmen:

    Dieser EU Tabak findet eben auch keine Verwendung in den Top Marken der Filterzigaretten. Da kommen vorzugsweise Virginia-, Kentucky-, Burley- Sorten aus Import zum Einsatz.
    Sprich, der mögliche Wegfall des Nikotinverbrauchs schlägt auch massiv auf die heimischen Erzeuger von Rohtabak durch!
    ( https://www.alles-ueber-tabak.de/hintergr/homehintergr.html )
    4700Ha gesamt bewirtschaftete Fläche, Zahl der Beschäftigten: 3000-4000 Familienmitglieder: 10.000-12.000 Saisonbeschäftigte (Daten aus 2004)

    Natürlich wird davon so gut niemand schlagartig erwerbslos, durch Umstellung der Frucht wird da weiter bewirtschaftet. Aber mit deutlich geringeren finanziellen Erträgen!

    1. Ich behaupte nicht das das Konzept der Bundesregierung fehlerfrei oder gar perfekt berechnet ist. Ich sage lediglich das dort keine Idioten sitzen die sich sicher mehr als nur 1 Tag Gedanken darüber gemacht haben speziell im Hinblick darauf:
      „… ob eine einzuführende Steuer Gewinne oder Verluste generiert und inwieweit sie sich „verkaufen“ lässt…“

      Auch gehe ich im Beitrag nicht davon aus das der Markt „komplett zusammenbricht“. Eine derartig endgültige Prognose würde ich sicher nicht wagen, obwohl es wahrscheinlich scheint. Im Hinblick auf die Pods äußere ich lediglich die Vermutung das:
      „…die Preiserhöhung außerhalb der Blase kaum zu Entrüstungsstürmen führen.[wird] – also eher eine Einschätzung der vorherrschenden Emotionen und keine rechnerische Einordnung.

      Ebenso ist deine Berechnung der verursachten Kosten durch ggf. anfallende Arbeitslose künstlich gepusht. Tatsächlich sieht das schon etwas anders aus. Ansonsten wäre es ja ein treffendes Argument zum Umdenken. Die Zahl von 20 000 scheint mir zu hoch gegriffen. ALG 1 als Hauptposten der Kosten ist eine Beitragsfinanzierte Leistung keine die zu 100% aus Steuern finanziert wird (Lediglich Defizite zwischen Beiträgen und Ausgaben werden bei Bedarf durch Steuern gestützt). Fehlende Mieteinnahmen belasten in erster Linie die Immobilienbesitzer nicht den Staat. Einkommensteuerverluste in der Branche dürften sich zu großen Teilen am Eingangssteuersatz orientieren (14%) und sind somit zu großen Teilen zu vernachlässigen. Die drei Hansel bei denen der Spitzensteuersatz gilt haben ihre Schäfchen eh im trockenen…. Deswegen scheint mir die von dir ins Spiel gebrachte Zahl von 800 Mill. um ein Vielfaches zu hoch gegriffen. Weswegen ich annehme, das dieses Argument nicht unbedingt zum Umdenken bewegen wird.

      Wie ich bereits weiter oben sagte, es geht in dem Artikel weder um die Verteidigung des Vorgehens des BMF noch um die Prognostizierung des Unterganges des Dampfens, ich bin nicht das Orakel ausm Pott… Es geht darum die Regierung mit passenden Argumenten zu konfrontieren, um genau das zu verhindern. Ob eventuelle (nicht sicher) eintretende Schwierigkeiten der Tabakproduzenten dazugehören, wage ich allerdings stark zu bezweifeln.

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