1984 ist heute…

5
(13)

1984 ist heute…

Foto von Markus Spiske von Pexels

Das Verfasser von sogenannten Strategiepapieren naturgemäß übers Ziel hinausschießen ist nicht neu und hat zumeist auch einen ganz einfachen Hintergrund. Im Wissen darum das man im Regelfall nicht all seine feuchten Wünsche und Träume in der Realität umgesetzt bekommt, übertreibt man einfach gehörig und verbessert damit seine Ausgangsposition für kommende Verhandlungen und letztliche Einigungen. Im Idealfall kann man seinem Gegenüber das Gefühl vermitteln ihm entgegengekommen zu sein, obwohl dem beileibe nicht so ist.

Ein ganz neues Level erreicht allerdings das DKFZ/ABNR mit dem kürzlich veröffentlichten Papier

„Strategie für ein tabakfreies Deutschland 2040″

Um es vorweg zu sagen, dem Ziel für ein tabakfreies Deutschland könnte man sich ja durchaus noch anschließen, bei den geplanten Aktionen zwar mit einigem Magengrummeln, aber immerhin noch nachvollziehbar. Das aber der Wunsch nach einem tabakfreien Deutschland auch vollkommen tabakfreie Erzeugnisse miteinbezieht ist schon etwas schwerer zu verstehen und macht eigentlich recht einfach deutlich, worum es hier tatsächlich geht.

„Strategie für ein genußfreies Deutschland 2040″

Am Anfang wird dem geneigten Leser vor Augen geführt wie schädlich das Rauchen ist, welche Folgeerscheinungen/-erkrankungen drohen und was das Rauchen die Gesellschaft kostet. Alles Richtig so weit. Nun möchte man aber offensichtlich, wenn man Deutschland vom Rauchen befreien will die armen des selbstständigen Denkens nicht mächtigen Deutschen auch gleich von der Dampfe befreien. Folglich streut man die Begrifflichkeit „verwandte Produkte“ ein und suggeriert identisches Schädlichkeitspotential,

Tabak und verwandte Produkte machen wegen des enthaltenen Nikotins physisch und psychisch abhängig...

um dann zur altbekannten „Wischi-Waschi-Mi-Mi-Mi“ Argumentationsmethode zu wechseln und wider besseres Wissen zu verkünden:

„Auch das Aerosol von E-Zigaretten enthält Schadstoffe wie Formaldehyd und Acrolein. Tier- und Zellversuche und eine zunehmende Zahl von Fallstudien weisen darauf hin, dass beim Konsum von E-Zigaretten ein Gesundheitsrisiko besteht, insbesondere für Atemwege und Herz-Kreislaufsystem. Wahrscheinlich ist die Gesundheitsgefährdung wegen der niedrigeren Schadstoffbelastung geringer als beim Rauchen. Die langfristigen gesundheitlichen Folgen sind jedoch noch unbekannt, da die Produkte noch nicht lange genug auf dem Markt sind.“

Ich erspare mir an der Stelle Studien und Belege aufzuführen die diesen Unsinn widerlegen. Diese sind bekannt. Ich nehme an auch den Verfassern dieses Absatzes…  Es folgt was folgen muss Gateway und die „armen Kinderlein“:

„Auch E-Zigaretten sind in hohem Maße für junge Menschen interessant: Fast 15 Prozent der Jugendlichen haben jemals eine E-Zigarette verwendet und vier Prozent taten dies innerhalb der vergangenen 30 Tage – damit setzen sich Jugendliche der Gefahr aus, abhängig zu werden. Tabakerhitzer sind als sehr neue Produkte auf dem Markt derzeit noch eine Randerscheinung mit einem Anteil von aktuell Konsumierenden von unter einem Prozent, aber angesichts der massiven Werbung, die dafür gemacht wird, ist anzunehmen, dass der Anteil steigen wird.“

Und damit ist der Ball auf dem Spielfeld, man kann im folgenden „Maßnahmenkatalog“ E-Zigaretten und Tabakerhitzer behandeln wie Zigaretten und folglich gleichermaßen den gewünschten Maßnahmen unterwerfen, die da wären:

  • Die Tabaksteuern jedes Jahr deutlich erhöhen
  • Kinderrechte in Bezug auf Tabak konsequent umsetzen und den Jugendschutz verbessern
  • Rauchende beim Rauchstopp unterstützen und Kostenübernahme der Behandlung der Tabak Abhängigkeit gewährleisten
  • Regelmäßige Kampagnen durchführen, um über Risiken des Tabakgebrauchs aufzuklären, zur Entwöhnung zu motivieren und Tabakfreiheit zur Norm zu machen
  • Werbung für Tabak und verwandte Produkte vollständig verbieten und standardisierte Verpackungen einführen
  • Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit Initiativen zur Tabakkontrolle sowie Alternativen zum Tabakanbau unterstützen
  • Die Verfügbarkeit von Tabak und verwandten Produkten deutlich reduzieren
  • Politische Entscheidungen wirksam vor der Beeinflussung durch Hersteller von Tabakerzeugnissen und verwandten Produkten sowie deren Organisationen schützen
  • Wirksam vor Passivrauchen schützen und vollständig tabakfreie Lebenswelten schaffen
  • Die Maßnahmen regelmäßig überprüfen, anpassen und weiterentwickeln

All diese Maßnahmen betreffen also nach den Wünschen von DKFZ und ABNR auch E-Zigaretten. Interessant sind hier mehrere Punkte. Rauchende beim Rauchstopp unterstützen und Kostenübernahme der Behandlung der Tabak Abhängigkeit gewährleisten.“ Mit anderen Worten Kassen verpflichten die Kosten für die nachweislich nicht wirklich wirksamen Methoden von Big-P zu zwingen. Pflaster, Spray und Suizid-Pillen auf Kassenkosten (ok die Pillen gabs auch vorher nur auf Rezept…), ein Milliardenmarkt. Eine Einnahmequelle inkl. zu erwartender Umsatzsteigerung über Jahrzehnte. Denn machen wir uns nichts vor, wenn es den Endverbraucher nichts kostet, nimmt er alles, was er kriegen kann, soll heißen das Rezept wird eingelöst, die Kasse zahlt… Ob der „Patient“ das Mittel letztlich überhaupt nimmt und noch wichtiger, ob es überhaupt etwas bringt ist fraglich. Egal bei Big-P klingelt die Kasse, mehr als sie es eh schon tut. Nebenbei wird das ach so süchtig machende Nikotin in unglaublichen Mengen unters Volk gebracht. Ach ich vergaß das von Big-P ist ja unschädlich…

„Politische Entscheidungen wirksam vor der Beeinflussung durch Hersteller von Tabakerzeugnissen und verwandten Produkten sowie deren Organisationen schützen.“ Ein ganz gefährlicher Wunsch liest man den Satz richtig. ABNR und DKFZ wünschen offensichtlich nur noch die Beeinflussung von einer Seite, nämlich der Ihrigen und damit durch Big-P. Naiv zu glauben die Motive genannter Akteure wären nicht ebenso durch „Einflüsterer“ der Ihnen zugewandten Industrie beeinflusst. Man beißt eben nicht die Hand die einen füttert.

„Die Verfügbarkeit von Tabak und verwandten Produkten deutlich reduzieren.“ Das bedeutet nichts anderes als das der Onlinehandel von Dampfprodukten nach den Wünschen der Genussasketen verboten werden soll. Man wird im Laufe des Textes noch deutlicher:

PHASE I: In allen Verkaufsstellen werden Tabakprodukte und verwandte Erzeugnisse nicht sichtbar in geschlossenen Schränken ohne Selbstbedienungsmöglichkeit platziert (Verbot der Auslage) Verbot des Verkaufs von Tabakprodukten und verwandten Erzeugnissen über Automaten Verbot des Online-Verkaufs von Tabakprodukten und verwandten Erzeugnissen.

PHASE II: Verbot des Verkaufs von Tabakprodukten und verwandten Erzeugnissen in Supermärkten und Discountern, Tankstellen und dem sogenannten Nebenhandel (z.B. Schreibwarenläden, Kioske, Convenience Stores/Spätverkaufsstellen, Drogerien); vorbereitende Gespräche dazu ab Phase I

PHASE III: Verkauf von Tabakprodukten und verwandten Erzeugnissen nur noch in einer begrenzten Zahl lizensierter Fachgeschäfte.

Und an diesem Punkt kommt man zum eigentlichen Kern des Problems mit diesem Strategiepapier. Alle Forderungen laufen eigentlich auf ein Ziel hinaus, dem endgültigen Verbot. Nun mögen sich einige  echauffieren und sagen mit Verboten hat das ja alle nichts zu tun, alles nur erzieherische Maßnahmen und so weiter. Falsch, ich kann dem Kind natürlich einen anderen Namen geben mache ich aber ein Produkt derartig unzugänglich/teuer kommt das einem Verbot gleich, ganz egal wie ich das nenne. Nun mag man streiten, ob ein Verbot der Tabakzigarette gerechtfertigt ist oder nicht, aber darum geht es letztlich nicht. Es geht vielmehr darum wie weit bin ich bereit, als Individuum mein Leben vom Staat durch Verbote (auch Verbote durch die Hintertür) reglementieren zu lassen.

Demokratie ist Volksherrschaft und das bedeutet das jeder sein Leben so frei als möglich gestalten kann und soll. Natürlich sind Verbote in grundlegenden Dingen nötig und nützlich (Strafrecht etc.), ohne Frage. Wenn aber das Leben zu einer Verbotskultur ausartet und das tut es gerade, ist es an der Zeit auch mal die Notbremse zu ziehen. Das Leben an sich ist Risiko und es wird nicht weniger riskant, wenn ich es von A bis Z mit Verboten und Reglementierungen versuche in uniforme Bahnen zu lenken. Eine Unart die übrigens nicht nur von Verbänden, Vereinen, der EU und anderen so gehandhabt wird, auch der „Bürger“ kann da gern vor der eigenen Tür fegen. Ein Blick auf Petitionsplattformen genügt, um sich zu vergewissern, dass der Ruf nach Verboten zu einer Art Volkssport geworden ist. Allerdings macht auch eine Mehrheit für ein Verbot selbiges nicht automatisch demokratisch, es wird lediglich zum Mittel der Drangsalierung einer entweder nicht so lauten oder zahlenmäßig unterlegenen Menge… Auch darüber sollte man hin und wieder einmal nachdenken.

Letztlich ist es doch so das das Rauchen unter Jugendlichen, also der nachwachsenden Rauchergeneration, nie so unpopulär war wie heute. Das bedeutet wiederum das die Zahl der Raucher weiter sinken wird und in einigen Jahrzehnten mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr relevant ist. Sollte man da seine Kraft und Energie nicht eher darin investieren Aufklärung zu betreiben, um diesen Prozess zu beschleunigen (nicht mit erhobenen Zeigefinger und Verboten, die kommen gerade in dieser Generation eher schlecht an),  anstatt ein Produkt (die Dampfe) zu verteufeln und unzugänglich zu machen das bereits bestehenden Rauchern hilft der Zigarette den Rücken zu kehren?

Bis die Tage

1984 ist heute…


Weiterführende Informationen:
https://ch-lippmann.de/blog/dampffreiheit/2021/05/de-dkfz-utopia-tabakfreies-deutschland/
https://dampfdruck-presse.hu/2021/05/27/stellt-euch-mal-vor/

 

 

 

Wie nützlich oder unterhaltsam war der Beitrag?

Klick

Wenn dir der Beitrag gefallen hat...

Folge mir doch auf Twitter.

Schade das es dir nicht gefallen hat.

Hilf mir es besser zu machen.

Was ist deiner meinung nach nicht ok an diesem Post?

One thought on “1984 ist heute…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.